Illustrator Dan Lynh Pham
Same Old Same Old ©danphamit.art

Kraftvolle Kunst gegen anti-asiatischen Rassismus von Dan Lynh Pham

Im Interview mit der vietnamesisch-amerikanischen Illustratorin

Die vietnamesisch-amerikanische Künstlerin und Illustratorin Dan Lynh Pham definiert mit ihrer Kunst traditionelle und stereotypische Vorstellungen von asiatischer Weiblichkeit neu. In ihren kraftvollen Illustrationen erforscht Pham Identität, Feminismus, anti-asiatischen Hass und Fetischisierung.

Pham wuchs im mehrheitlich weißen und konservativen Mittleren Westen in Tulsa, im US-amerikanischen Bundesstaat Oklahoma, auf. Schon als Kind wird ihr bewusst, dass das Zeichnen und die Kunst ihre liebsten Mittel sind, sich kreativ auszudrücken.

The Struggles of Loving your Eyes

Ihren Instagram-Account nutzt Dan Lynh Pham, seit Beginn der Coronapandemie im letzten Jahr, als künstlerisches Ventil. Wie ein visuelles Tagebuch verarbeitet sie in ihren digitalen Kunstwerken persönliche und äußere Erfahrungen. Ihre Werke tragen Titel wie „Asian American Banana“, „The Struggles of Loving your Eyes”, “The Token Asian” oder “The Exotic Other”. Darin setzt sich die Künstlerin mit Themen wie Assimilation, Rassismus, Exotisierung und westlichen Schönheitsstandards auseinander.

In westlich-sozialisierten Ländern müssen Asiat*innen heute immer noch darum kämpfen, dass der Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, den sie erleben, anerkannt wird. Von den Medien und der weißen Mehrheitsgesellschaft wird anti-asiatischer Rassismus häufig runtergespielt oder gar ignoriert. Das wurde besonders deutlich, nach dem enormen Anstieg an gewalttätigen Angriffen auf asiatische Bürger im Zuge der Coronapandemie.

Anti-Asiatischen Rassismus bekämpfen

Einerseits ist es erschreckend, dass Asiat*innen in westlichen Ländern so viele ähnliche Erfahrungen mit anti-asiatischen Rassismus machen. Andererseits ist es heilsam, dass es Künstler*innen wie Dan Lynh Pham die Möglichkeit gibt über Social-Media-Kanäle eine Community aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützen und gleichzeitig anti-rassistische Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Im Gespräch mit xPlicitAsia erzählt Pham von ihrem künstlerischen Werdegang. Ihren Erfahrungen als asiatische Minderheit im mehrheitlich weißen Mittleren Westen der USA aufzuwachsen und über ihre Intentionen, die sie mit ihrer kraftvollen Werken verfolgt.

Illustrator Dan Lynh Pham
The token asian ©danphamit.art

Dan, stell dich doch unseren Lesern vor und erzähl uns ein wenig über deinen künstlerischen Werdegang?

Mein Name ist Dan Lynh Pham. Ich bin eine vietnamesisch-amerikanische Künstlerin und Illustratorin. Ich wurde in Saigon, Vietnam, geboren und gemeinsam mit meiner Familie zogen wir in die Vereinigten Staaten, als ich ein Jahr alt war. Derzeit lebe ich in der US-amerikanischen Stadt Tulsa im Bundesstaat Oklahoma. 2016 erhielt ich meinen Abschluss Bachelor of Fine Arts in Studio Art an der Oklahoma State University. Dort habe ich mir eine Vielzahl von Kunstmedien wie Aquarelle, Skulpturen und digitale Kunst und Illustrationen angeeignet.

Was hat dich dazu inspiriert, Künstlerin zu werden und wie hast du angefangen, als solche zu arbeiten?

Schon in jungen Jahren habe ich angefangen zu zeichnen und Kunst zu machen. Es war wie ein Ventil für mich. Als ich aufwuchs, versuchte ich dann so viele Kunstkurse wie möglich zu besuchen, die meine Schule anbot. Jetzt als Erwachsene möchte ich meine Kunst nutzen um andere, besonders Asiat*innen, zu empowern und eine Verbindung zu ihnen herzustellen.

Illustratorin Dan Lynh Pham
The Exotic Other ©danphamit.art

Deine Arbeiten spiegeln viel über dich und deine Identität als asiatisch-amerikanische Frau wider. Nutzt du deine Kunst, um Erfahrungen zu verarbeiten, die du gemacht hast, wie ein sichtbares Tagebuch?

Ja genau, meine Arbeit fungiert als ein persönliches visuelles Tagebuch, das sich zwischen persönlichen und äußeren Erfahrungen bewegt. Auf der persönlichen Seite erforsche ich meine kulturelle Identität und die Dichotomie, in einem konservativen vietnamesischen Haushalt aufzuwachsen und gleichzeitig an einer überwiegend weißen amerikanischen Kultur in Tulsa, Oklahoma, teilzuhaben. Mit meiner Kunst versuche ich, eine andere Dynamik, Kultur und Sichtweise einzubringen, um die asiatisch-amerikanische Erfahrung zu teilen und die Menschen daran zu erinnern, dass wir vertreten sind.

Illustratorin Dan Lynh Pham
Asian Cowgirl ©danphamit.art

Wie beeinflussen dein kultureller Hintergrund und die dazugehörige Kultur Vietnams deine Kunstwerke?

Ich möchte das starke Bild einer vietnamesischen Frau zurückgewinnen. Vietnam war einst ein Matriarchat und es gab weibliche Kriegerinnen, die Invasoren auf Elefanten abwehrten und Armeen anführten, was ich erstaunlich finde. In der heutigen Gesellschaft werden asiatische Frauen typischerweise als fügsam, unterwürfig und still übersehen. Ich möchte dieses verstaubte Bild ändern und mehr laute, starke, kriegerische Frauen darstellen.

Illustratorin Dan Lynh Pham
Ham Choi Girls ©danphamit.art

Dein Illustrationsstil hat sich im Laufe der Zeit verändert. Wie hast du deine eigene und einzigartige illustrative Sprache entwickelt?

Mein Stil webt zwischen traditionellen Medien und Techniken bis hin zu eher grafikbasierten Arbeiten. Da meine Arbeit wie ein visuelles Tagebuch funktioniert, ändert sich mein Stil je nachdem, wie ich mich fühle oder wie ich auf ein Thema reagiere.

Du hast Aphantasie, die Unfähigkeit, mentale Bilder zu visualisieren. Seit wann bist du dir dieser Unfähigkeit bewusst und wie gehst du mit ihr um?

Aphantasie hat mich mein ganzes Leben lang beeinträchtigt, aber erst vor kurzem habe ich erkannt, dass das, was ich erlebe, nicht die „Norm“ ist. Wenn die Leute früher Dinge sagten wie „Stell dir vor, du bist an einem Strand…“ oder so ähnlich, dachte ich immer, es sei einfach eine Redewendung.

Illustratorin Dan Lynh Pham
Asian Squat ©danphamit.art

Der schwierigste Schritt, um mit einem Artwork zu beginnen, ist der leere Raum. Beginnst du meistens mit einem Konzept und einer Storyline oder beginnst du mit einer vagen Idee? Wie sieht dein kreativer Ablauf aus?

Mein Prozess beginnt immer mit dem Konzept. Von dort aus entscheide ich, welche Bilder ich verwenden möchte, um meine Idee zu vermitteln. Ich recherchiere auch viel, um historische und kulturelle Bezüge so einzubringen, dass sie bei meinen vietnamesischen und AAPI-Kollegen (Anmerkung der Redaktion: AAPI steht für Asian American Pacific Islander) Anklang finden. Das Erstellen von Kunstwerken ist für mich auch eine Möglichkeit, etwas über meine eigene Kultur zu lernen. Darüber hinaus kann ich meinen individuellen Erfahrungen als vietnamesische Amerikanerin, die im Zentrum der Vereinigten Staaten lebt, einen Kontext geben.

Illustratorin Dan Lynh Pham
The struggle of loving your eyes ©danphamit.art

Was steht bei dir in der Zukunft an? Kannst du uns etwas über einige deiner zukünftigen Projekte erzählen?

Ich bin gerade dabei, mit meinem Partner ein kleines Unternehmen namens Still Mill zu gründen, um unsere Werke zu verkaufen und mit anderen lokalen Künstlern zusammenzuarbeiten. Zusätzlich stehen eine Reihe von zukünftigen Projekten an. Zu einem bin ich Teil der Künstlerdruckserie einer lokalen Women of Colour-eigenen Siebdruckerei. Im Oktober 2021 habe ich eine Einzelausstellung im Resonator Institute in der Stadt Norman, in der Nähe von Oklahoma City.

Weiterhin liegt mir viel daran mit meiner Kunst an Spendenaktionen zu arbeiten, um die AAPI-Gemeinschaft zu unterstützen. Außerdem wurde ich kürzlich Mitglied in Oklahoma‘s erster Asian Tasks Force.
(Anmerkung der Redaktion: Die Anfang 2020 gebildete Task Force besteht aus vielen kleinen Community-Gruppen, die sich zusammengeschlossen haben. Die Gruppe wurde ins Leben gerufen, um die Lücke zwischen Dienstleistern für häusliche und sexuelle Gewalt und den asiatischen Gemeinschaften in Oklahoma zu schließen und auch die Zunahme von antiasiatischer Belästigung, Diskriminierung und Gewalt anzusprechen, die im ganzen Land während der Coronavirus-Pandemie auftreten.)

Zu guter Letzt noch eine Frage nach deinem liebsten vietnamesischen Essen?

Pho – traditionelle vietnamesische Nudelsuppe, Bánh bèo – gedämpfte Reisküchlein meist mit belegt mit Krabben und Frühlingszwiebeln, Bánh mì – vietnamesisches Sandwich, und Bún riêu – vietnamesische Nudelsuppe mit Krabben

Instagram: Danphamit.art

Webshop: Still Mill Store 

 

Illustrator Dan Lynh Pham
Saving Face ©danphamit.art
Illustratorin Dan Lynh Pham
Expectations ©danphamit.art

 

Illustrator Dan Lynh Pham
Destroy the patriarchy ©danphamit.art