Masia One - Die Königin von Hip Hop und Reggae in Südostasien

Masia One bringt Hip Hop, Reggae und Dancehall nach Südostasien

The Far East Empress im Interview

Im Hip Hop hat Südostasien nie eine große Rolle gespielt, Female Artists noch weniger. Dass sich das gerade schlagartig ändert, ist nicht zuletzt der Sängerin und Rapperin Masia One aus Singapur zu verdanken.

Wie kein anderer Artist steht Masia One für die Verbreitung der Hip Hop und Reggae-Kultur in Südostasien. Als Kulturbotschafterin, Entrepreneurin, Rapperin und Sängerin kann das Multitalent, das mit bürgerlichem Namen May Sian Lim heißt, auf eine beachtliche musikalische Karriere zurückblicken.

Geboren und aufgewachsen in Singapur und Kanada, hat sie bereits für Hip Hop-Größen wie RZA, Talib Kweli, The Game, Pharrell und Dr. Dre gearbeitet. Mehrfach ausgezeichnet, tourte sie bereits in über 20 Ländern und war Headliner von diversen internationalen Festivals. Nach Stationen in den USA und auf Jamaika, kehrte die Künstlerin vor 5 Jahren in ihre Heimat zurück, um den Spirit der Hip Hop- und Reggae-Kultur unter jungen Kreativen in Südostasien zu verbreiten.Masia One - Die Königin von Hip Hop und Reggae in Südostasien

#TheFarEastEmpress – Die Kaiserin von Hip Hop, Dancehall und Reggae in Südostasien

Als sogenannte „Kaiserin des Fernen Ostens“ hat Masia One 2018 das gleichnamige Album Far East Empress auf den Markt gebracht und dabei jede Menge Features mit Artists aus Japan, Portugal, USA und den Philippinen aufgenommen. Einige Songs aus dem Album wurden auch für die neue Netflix-Produktion Wu Assassins lizenziert.

Ihre neuste Single General Ling (Release 13.09.2019) – ein Feature mit dem chinesisch-deutschen Elektro-Kollektiv C.O.W. 牛– ist ein wilder Mix aus elektronisch-spacigen Trap-Beats mit englischen und chinesischen Vocals.

Wir hatten die Ehre, die vielbeschäftigte Künstlerin für ein Interview zu gewinnen. Mit xPlicitAsia sprach Masia One über ihre vielen Projekte, die noch junge Szene in Singapur und über Herausforderungen für junge Kreative und Künstler in Südostasien.

Masia, erzähl uns von deinen musikalischen Wurzeln. Wann hast du angefangen, Musik zu machen und was hat dich zunächst dazu inspiriert, Künstlerin  zu werden?

Als ich 8 Jahre alt war, fand ich zufällig ein Tape von Public Enemy und das veränderte meine gesamte Perspektive auf das Leben. Zwar verstand ich anfangs nur wenig von den Lyrics, aber ich wusste schon, dass hier etwas Dringendes gesagt wurde. Ich verschlang daraufhin alles, was Chuck D zitierte und las die Autobiographien von Malcolm X, Huey Newton und Marcus Garvey. Ich war unglaublich inspiriert davon, wie mutig und ausdrucksstark alles an der Hip Hop Kultur war. Besonders die Idee, Respekt zu geben und sich Respekt zu verdienen, sagte mir besonders zu. Das habe ich quasi von Anfang an verinnerlicht.

Zunächst fing ich an Raps zu schreiben und versteckte sie unter meinem Bett. In der singapurischen Gesellschaft geht man davon aus, dass Künstler kein Geld verdienen und entsprechend werden junge Menschen nicht gerade dazu ermutigt, “kreativ” zu sein. Aus diesem Grund war ich sehr verschlossen über das was ich gerne tat. Meinen Einstieg in die Szene fand ich als Graffiti-Writerin. Graffiti erlaubte mir, meine Kreativität im Verborgenen auszuleben.

Erst auf dem kanadischen College fing ich an zu rappen. Mein Mitbewohner (und später mein erster Manager) Jesse Ohtake betreute damals ein weibliches Hip Hop-Projekt und glücklicherweise stieg ein Mädchen aus. Das war meine erste Chance, mich als Rapperin zu beweisen. Zunächst musste ich meine Schüchternheit ablegen und mich selbst davon überzeugen, dass ich das kann. Nach meinem ersten Auftritt wurde Much Music (MTV Canada) auf mich aufmerksam und ich bekam die ersten Angebote.

In Kanadas urbaner Musikszene war ich der erste asiatische Female Artist und die erste Hip Hop-Künstlerin, die Singapur auf der internationalen Ebene vertreten durfte. Anfangs war ich vielen rassistischen und sexistischen Anfeindungen ausgesetzt. Heute bin ich stolz drauf, dass ich Hindernisse wie diese aus dem Weg räumen konnte und dass ich trotz allem in der Lage war, in der unnachgiebigen Musikbranche Karriere zu machen und mit Stereotypen zu brechen. Mein Video Split Second Time war das erste Musikvideo einer Frau, das in der Kategorie Hip Hop für MTV Canada nominiert wurde.

MasiaOne Singapur

Kannst du uns ein wenig über deine musikalischen Einflüsse erzählen? Was hat dich  zu Hip Hop, Reggae und Dancehall hingezogen und welche Künstler haben dich inspiriert?

Mein großer Bruder hörte viel Roots Reggae von Peter Tosh, Toots & The Maytals und Black Uhuru, als ich klein war. Nachdem meine Familie nach Kanada auswanderte, war ich von Eastcoast Hip Hop wie Wu-Tang, Big L, The Roots, EPMD, Fugees, Digable Planets und Bahamadia umgeben. Ich wuchs an der Westküste auf, also liebte ich auch Artists wie Hieroglyphics, Hobo Junction, Warren G, The Five Footaz, E-40 und viele mehr.  Dancehall lernte ich erst richtig kennen, als ich in Toronto zur Schule ging. Auf Hip Hop-Partys tanzten wir zu Rap, Ragga-Breaks, Dancehall und die meisten Partys damals endeten in Lovers Rock.

Als ich einige Jahre später nach Jamaika ging, zog mich der Spirit der Dancehall-Szene endgültig in seinen Bann. In Kingston kann die schäbigste Parkgarage nachts zur glamourösesten Tanzfläche werden. Dancehall hat die Kraft, etwas aus dem Nichts zu schaffen. Das inspiriert mich sehr.

Du bist in Singapur geboren, in Kanada aufgewachsen, du hast in Los Angeles und auf Jamaika gelebt. Nun bist du seit einigen Jahren zurück in Singapur. Hast du einen Ort, den du Zuhause nennst?

Mit einem kreativen Leben bin ich gesegnet, überall auf der Welt ein Zuhause zu haben. Wo immer ich lande, habe ich Freunde, die mich begrüßen und sagen: „Schwester, mein Zuhause ist dein Zuhause, lass mich dir alles zeigen“. Daher ist Zuhause der Ort, an dem ich von guten Menschen und positiven Energien empfangen werde. Ich baue mir derzeit eine Basis in Johor Bahru, Malaysia auf. Einen Platz zu haben, wo ich in der Natur und bei gutem Essen Kräfte für mein hektisches Leben auf der Bühne auftanken kann, ist purer Genuss.

Plattenfirmen und Manager haben häufig versucht, dich als “Asiatische Nicki Minaj” zu vermarkten und groß rauszubringen. Du hast das vehement abgelehnt. Was gab dir die Kraft, immer du selbst zu bleiben und hinter deinen Prinzipien zu stehen?

Vielleicht, dass meine chinesische Mutter mir den Arsch versohlt hätte, wenn ich mich als Sexobjekt verkauft hätte? Lol. Nein, Spaß beiseite. Ich bin nicht zum Hip Hop gekommen, um andere nachzuahmen oder um zwingend berühmt zu werden. Raps zu schreiben, war für mich ein Muss und der beste Weg, mein Inneres auszudrücken. Ich schaute schon in jungen Jahren zu Künstlern wie Nas, Lauryn Hill und Blackthought auf.

Als die Plattenfirmen mit ihren Angebote kamen, war für mich bereits ganz klar, wo meine Grenzen lagen und welche Dinge für mich als authentische Künstlerin nicht in Frage kamen. Ich wollte ein künstlerischer Innovator sein und kein weiterer “kleiner Fisch” im schnelllebigen Musikbusiness. Allerdings sind Innovatoren für das lange Spiel dabei und Nachahmer werfen häufig schneller Geld ab. Scheiße, hätte ich mal nicht so sehr an meiner Kultur und meinen Prinzipien festgehalten und wäre mehr Arschloch gewesen… Dann wäre ich jetzt eine Rich Bitch! Lol.

MasiaOne Singapur

Kannst du uns ein wenig über die Dancehall- und Reggae-Szene in Singapur erzählen? Was unterscheidet sie von anderen asiatischen Ländern?

So modern der Stadtstaat Singapur auch wirken mag. Unsere Gesellschaft ist zum großen Teil sehr konservativ und hält an alten Traditionen fest. Das fängt schon bei der Kleidung an. Die sollte locker sitzen, bei Frauen nicht zu tief ausgeschnitten sein und weite Teile des Körpers bedecken. Auf sozialer Ebene gehen die Menschen Konflikten und Auseinandersetzungen lieber aus dem Weg, statt ihre Meinung offen kundzutun.

In der Dancehall-Kultur dreht sich alles darum, aus festgefahrenen Bahnen auszubrechen, Haltung und Selbstvertrauen zu zeigen und zum Beispiel zu tragen, was man will. Dieser Kontrast zweier unterschiedlicher Kulturen ist sehr interessant und anziehend. Nicht nur für mich. Immer mehr Kids in Singapur feiern die Dancehall-Kultur und alles entwickelt sich sehr schnell. Die Leute nehmen sich die Zeit, herauszufinden, wo die Bewegung ihre Ursprünge hat, was sie ausmacht und was sie inspiriert.

Reggae in Singapur – Auf dem schwierigen Weg zu mehr Anerkennung

Trotzdem haftet der Reggae-Kultur in Singapur noch immer ein negatives Stigma an. Viele Menschen verbinden Reggae mit Bob Marley-Cover-Songs und Kiffen (hier gibt es sehr strenge Drogengesetze). Folglich buchen die meisten Promoter keine Reggae-Acts und auf öffentlichen Veranstaltungen wird nur selten Reggae gespielt.

Das ist einer der Gründe, weshalb ich den sogenannten Singapura Dubclub ins Leben gerufen habe. Diese Plattform ermöglicht mir und anderen, die Reggae-Kultur in der “Lion City” (Red.: umgangssprachliche Bezeichnung für Singapur) zu fördern und mit Stereotypen aufzuräumen. Viele Leute sagen jetzt über mich, dass ich nicht mehr rappe, sondern Reggae mache oder fragen sich, warum ich die Musik armer Leute fördere. Von solchen Bemerkungen lasse ich mich aber definitiv nicht unterkriegen.

Vor Kurzem habe ich meine eigene Jamaican Jerk Marinade Suka Suka Sauce mit regionalen Zutaten auf den Markt gebracht. In Asien dreht sich alles ums Essen. Da ist es folglich viel einfacher, Klischees und Stereotypen mit leckerem Essen zu bekämpfen. Auf diesem Weg kann man dem Massenmarkt zeigen, dass es neben Literatur und Musik noch viel mehr jamaikanische Produkte gibt, die die Welt inspirieren.

Nicht nur in Singapur, dem sogenannten Tor zu Asien, gewinnt die Reggae- und Dancehall-Kultur an Bedeutung. In Indonesien habe ich auf einem Ska-Festival vor knapp 20.000 jungen Menschen gespielt. Alleine in Jakarta gibt es über 3.000 Reggae-Bands. In Vietnam werden jährlich Dub-Festivals an wunderschönen Stränden veranstaltet und Malaysia ist für seine einzigartige Mischung aus Ska-Punk-Dub bekannt. Sogar in Myanmar hat vor einigen Jahren ein jamaikanisches Restaurant eröffnet. So wie sich die Hip Hop-Kultur in den letzten Jahrzehnten vom amerikanischen Kontinent aus weltweit verbreitet hat, so wird sich die Reggae- und Dancehall-Kultur weiter ausbreiten. Alleine schon wegen seiner Love & Peace-Message.

Du hast einige Hindernisse überwunden, um die Leute in Singapur für Dancehall, Reggae und den gesamten Spirit hinter dieser Bewegung zu inspirieren. Wie wird sich die Kultur in Zukunft weiterentwickeln?

Sprache ist der Schlüssel zur erfolgreichen Kommunikation. Musikstile verschmelzen miteinander, wenn sie in verschiedene Muttersprachen übertragen werden. Reggae steht dafür, sich für seine Rechte einzusetzen, die Umwelt bewusst wahrzunehmen und seinem Gegenüber Respekt zu zollen. Was hat das wohl für einen Einfluss wenn er auf Chinesisch gesungen wird und damit die weltweit größte Bevölkerung erreicht? Wie Dead Prez schon sagten: “It’s bigger than Hip Hop”. Als Kind wollte ich immer Politikerin werden. Als ich realisierte, was das bedeuten würde, änderte ich meine Meinung und mir wurde klar, dass Musiker und Kreative – egal aus welchem Genre – viel mehr Einfluss auf die jungen Menschen haben, als Politiker.

Ich glaube, dass man sich in Zukunft zunehmend von gängigen Genres lösen wird. Aktuell stehe ich vor der großen Herausforderung, mich als Künstlern zu etablieren, ohne in eine bestimmte Schublade oder Rolle gedrängt zu werden. Die Zukunft der Musik ist für mich viel mehr als ein Genre.

Als Rapperin nehmen mir Promoter die Glaubwürdigkeit, wenn sie sagen: “Nein, MasiaOne macht Reggae, warum sollte sie dann rappen können?”. Das ist so 1952. Wir befinden uns im Zeitalter der Globalisierung. Bedingt durch das Internet und die sozialen Medien kommen immer mehr internationale Kollaborationen zustande, die wiederum den kulturellen und musikalischen Austausch fördern. Die Mächtigen im Musikbusiness sollten sich gefälligst dieser Entwicklung anpassen und sich von alten Genres und dem Denken in Kategorien lösen. Ein Produkt kann man mit einem Barcode versehen und einer bestimmten Kategorie zuordnen, einen Künstler jedoch nicht.

MasiaOne Singapur

Du hast den Singapura Dubclub ins Leben gerufen hast, um die Verbreitung von Reggae, Dancehall, Afrobeats, Ska & Rocksteady in Singapur zu pushen. Kannst du uns ein bisschen mehr über das Projekt erzählen?

Mein Engagement im Singapura Dubclub ist wie eine Therapie für mich. Als ich aus Jamaika zurückkehrte, realisierte ich, dass der Lebensrhythmus hier in Singapur ein ganz anderer ist. Alles ist viel schnelllebiger und die Menschen nehmen sich keine Zeit, Freunde zu treffen, mit Fremden ins Gespräch zu kommen, den Sorgen anderer zuzuhören oder Musik zu genießen, die nicht schneller als 10.000 BPM (Red.: Beats per Minute) ist. Das alles kann ganz schön erdrückend sein. Mit dem Singapura Dubclub wollte ich einen Raum für diejenigen schaffen, die ähnlich denken wie ich und die sich danach sehen, einfach mal im Freien abzuhängen, gute Musik zu hören und das Leben zu genießen.

Wir haben bereits jamaikanische Legenden wie Sister Nancy, Johnny Osbourne, Richie Stephens, General Levy und Tippa Irie nach Singapur geholt. Auch Island Getawaways für unsere Mitglieder unter der Direktion von Bob Marley’s Enkelin Donisha Prendergast gehören zu unserem Programm.

Zur Zeit haben wir eine monatliche Veranstaltung mit dem Namen Suka Suka Sunday am Laufen. Hier kommt so ziemlich alles zusammen, was ein bisschen karibisches Flair nach Singapur bringt: kleine Shops und Händler, ein Soundsystem, DJ’s, entspannte Vibes und mein originelles Suka Suka Jamaican Jerk Chicken (natürlich auch als vegane Variante). Dieses Event dient auch als musikalische Plattform für Artists und DJ’s, die keinen Bock auf das übliche Mainstream-Zeug haben und Gleichgesinnte suchen.

Du bist Sängerin, Rapperin, Unternehmerin, Kulturbotschafterin, Kreativdirektorin und du schreibst Song für internationale Artists. Wie schaffst du es, all diese Dinge unter einen Hut zu bringen?

Ich trage nicht umsonst den Namen “The Far East Empress”. Ich liebe es, Menschen und Talente miteinander zu verbinden und Kulturen miteinander zu verschmelzen. Ob Kunst, Business, Kommerz oder Kultur. Ich denke, dass sich diese Dinge nicht gegenseitig ausschließen müssen und dass man alles irgendwie unter einen Hut kriegt, wenn der Wille da ist.

Musik aus Asien ist derzeit angesagter, als je zuvor. K-Pop zieht Millionen Menschen auf der ganzen Welt in seinen Bann und asiatischer Hip Hop – nicht zuletzt dank 88rising und populären TV-Formaten wie Rap auf China – ist schwer im Kommen. Was denkst du über diese Entwicklung?

Das ist eine großartige Entwicklung. Die Vielfalt, die Stärken und die Werte der Hip Hop- und Dancehall-Kultur an das Massenpublikum weiterzugeben, ist wichtig. Ich hoffe, dass mit dem steigenden Interesse auch das Bewusstsein für die Herkunft des Hip Hop wächst und dass die Leute nicht nur blind konsumieren. Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wie die Subkultur entstand, wer sie maßgeblich prägte und was sie für Werte vertritt. Wenn die Menschen sich nicht mit den Wurzeln einer Kultur auseinandersetzen, dann kann sich diese nicht in die richtige Richtung weiterentwickeln.

In Asien gibt’s seit Kurzem wieder YO MTV Raps und die haben tatsächlich Bahd Bhabie ausgewählt, um dafür zu werben. Natürlich sollte die Branche Platz für jeden bieten, aber inwiefern soll so ein Artist denn Hip Hop in Asien vertreten und was hat das für Auswirkungen? Ich würde die Verantwortlichen und die Mächtigen im Business gerne dazu ermutigen, mehr Vertrauen in authentische und regionale Künstler zu setzen. Ihr solltet euer Augenmerk lieber auf die richten, die es wirklich drauf haben, statt sich auf Marketingtricks oder Sensationslust zu verlassen. Gerade im Kulturbereich ist es wichtig, mit Sorgfalt und Respekt zu arbeiten.

MasiaOne Singapur

Wie siehst du die Zukunft der südostasiatischen Musikszene in den nächsten Jahren?

Mit der Anzahl an Kreativen, die Südostasien derzeit hervorbringt, wird die Musikszene in den nächsten Jahren regelrecht explodieren. Da wird sicher eine Menge kommen, von dem die Leute vorher nie gehört haben. Auch Artists aus Ländern, die man vorher nicht so auf dem Zettel hatte, werden in Erscheinung treten. Ich habe vor Kurzem einen Rapper aus Bhutan getroffen und ihn dazu ermutigt, in seinen eigenen Muttersprache zu rappen und was dabei herauskam, ist erstaunlich. Checkt ihn aus. @tsherie_

Meiner Meinung nach entwickelt jede Subkultur eine Art Muster. Nehmen wir die Hip Hop-Kultur zum Beispiel. Zunächst lässt man sich von etwaigen Vorbildern inspirieren und ahmt sie in gewisser Weise nach. Sprache, Texte und musikalische Besonderheiten werden später zunehmend durch die kulturellen Verhältnisse des Heimatlandes bestimmt und aus der bloßen US-Kopie entwickelt sich schnell eine eigene, spezifisch landestypische Hip Hop-Kultur. Später tritt der Wille zur Selbstbestimmtheit in den Vordergrund. Viele Künstler drängen nach der Freiheit, zu tun was sie wollen und schöpfen dabei aus der endlosen Fülle an Inspiration, die die Welt ihnen bietet.

Bei mir ist es so, dass mich verschiedene Kulturen inspirieren. Nicht nur Singapur ist meine Heimat, sondern auch Kanada, Jamaika und seit Neustem Malaysia. Ich hadere manchmal, wenn man mir in Singapur sagt, dass ich nicht „Singapurisch“ genug klinge. Immerhin verfolge ich das Ziel, in möglichst vielen Sprachen zu kommunizieren, mich von unterschiedlichen Kulturen zu inspirieren und damit auch möglichst viele Menschen zu erreichen. Im Moment lerne ich dafür Chinesisch, Indonesisch, Malaiisch und sogar Singlisch.

Im Moment promotest du dein neuestes Album Far East Empress. Erzähl uns von der Botschaft hinter dem Album und was kommt als nächstes für dieses Jahr?

Als ich nach Singapur zurückkehrte, realisierte ich, dass viele junge Menschen nicht den Mut aufbringen, ihr eigenes kreatives Ding durchzuziehen. Unsere konservative Gesellschaft ist noch nicht soweit, junge Menschen dazu zu ermutigen, Träume zu verfolgen, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm liegen. Als angehender Künstler hast du mit viel Kritik und teils sogar Anfeindungen zu kämpfen. Mit Far East Empress möchte ich meinen Fans, Gleichgesinnten und Freunden vermitteln, dass Sie an sich glauben sollen und Ihnen damit ein Stück Würde zurückgeben.

Alles dreht sich um Blut, Schweiß und Kronen: Blut, um zu wissen, woher du kommst. Schweiß für die Arbeit, die du leistet, um der oder die Beste auf deinem Gebiet zu werden. Die Krone steht für deine Ehre, deinen Stolz und deine Widerstandskraft, die keiner dir nehmen kann – weder durch Worte, noch durch Taten. Jeder einzelne hat von Geburt an das Recht darauf, großartig zu sein.

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Woran arbeitest du zur Zeit? Gibt es irgendwelche kommenden Projekte oder Releases, die du mit uns teilen kannst?

Dieses Jahr werde ich noch eine neue EP auf den Markt bringen. Diese wird sich mit sozialen Themen beschäftigen und jede Menge eingängige Rap-Hooks und Melodien abliefern. Auch mit eingängigen Beats kann man einen sozialen Beitrag liefern. Auf der B-Seite dieser Platte werde ich eine mir sehr wichtige Single namens Rebel Soul Jah veröffentlichen und zwar am 25. November 2019. Sie ist meinem Bruder gewidmet und ich schrieb diese Single, als er verstarb, daher bedeutet mir dieses Release die Welt. Ich habe diesen Song in den berühmten Bob Marley Tuff Gong-Studios aufgenommen, Auf ihr ist der große Gitarrist BoPee zu hören, der dieses Jahr leider von uns ging.

Zudem werde ich mit der jamaikanischen Ikone Richie Stephens (bekannt für seine Lovers Rock-Hymnen und Produktions-Credits auf Rihannas Work ft. Drake) auf Tour gehen. Nach unseren Gigs in New York City, Singapur, Indonesien und Australien werden wir zusammen ins Studio zurückkehren und eine Ska Single namens Satu Cinta für den Weltfriedenstag aufnehmen. Es wird übrigens das erste Mal sein, dass eine jamaikanische Reggae-Legende einen Song auf Indonesisch aufnimmt.

Richie ist davon überzeugt, dass meine Singstimme noch mehr ungeahntes Potenzial bereithält. Auf dem Album, an dem wir gemeinsam arbeiten, wird es also noch mehr Gesangsparts geben, als man es von mir gewohnt ist.

Nur zum Spaß würden wir uns freuen, wenn du uns ein paar Quick Fire Questions beantworten würdest.

Nenne 5 Künstler – egal aus welchem Bereich – die deine Arbeit inspirieren?

– Angela Davis (US-amerikanische Bürgerrechtlerin)
Che Pope (Produzent, der mich als Ghostwriter und Künstler nach L.A. brachte)
Mark Valino (Director der #MomentsofMovement Tanzreihe mit Features in Asien)
Lisa von Tang (Modedesignerin aus Singapur)
@shit_snap (Moode Puake Illustrator aus Bintan, Indonesien)

Wo ist dein Lieblingsspot in Singapur?

Changi Village

Deine favorite Artists / Crew / Künstler?

@rebeldaughters (Weibliche Graffiti-Crew aus Südostasien)

Dein Lieblings-Nationalgericht?

Curry Puff, Hühnerreis, Laksa, Roti Boom, Chili Crab (Da gibt’s jede Menge. Ich könnte ewig so weitermachen).

Was sind deine Lieblingsfilme?

Der Letzte Kaiser und Cool Runnings.

Kannst du uns einige asiatische Künstler nennen, die Aufmerksamkeit verdienen?

Kuno Kini (Nusantara-Musiker aus Indonesien)
Yella Sky Soundsystem (Soundsystem aus Indonesien)
Yehaiyahan aka ChaCha (Sängerin & Rapperin aus China)
Super Mojo  (Rapperin und Tänzerin)
General Ling (Sängerin & Rapperin aus Singapur, die ich betreut habe)
Macho (#YoMaFa Reggae Künstler aus der Mongolei)
Fariz Jabba (Rapper aus Singapur)
Geylang Crunk (Crunk DJ & Producer Crew aus Singapur)

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„The Far East Empress“ Masia One

Webseite: www.masiaone.com
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