Maria Ressa - Friedensnobelpreis für den Kampf gegen Fake News
Maria Ressa

Maria Ressa und der Kampf gegen Fake News

Friedensnobelpreis für die philippinische Journalistin

Die philippinische Journalistin und Aktivistin Maria Ressa ist Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2021. Dies ist der erste Nobelpreis, der je an eine philippinische Staatsbürger*in verliehen wurde.  Gemeinsam mit dem russischen Journalisten Dmitri Muratow erhielten sie den Preis für ihre Bemühungen zum “Schutz der Meinungsfreiheit”.

Maria Ressa ist Chefredakterin und Mitbegründerin des philippinischen Online-Mediums Rappler. Dmitri Muratow war bis 2017 Chefredakteur der russischen Zeitung Novaya Gazeta. Beide wurden von  den Vorsitzenden des norwegischen Nobelkomitees, zu den diesjährigen Preisträger*innen ernannt.

Das Nobelkomitee erklärte, Rappler habe “kritische Aufmerksamkeit auf die umstrittene, mörderische Anti-Drogen-Kampagne des Duterte-Regimes” gelenkt. Die hatte so viele Todesopfer gefordert, “dass sie einem gegen die eigene Bevölkerung geführten Krieg gleicht”.

Ressa und Rappler hätten auch “dokumentiert, wie soziale Medien genutzt werden, um Fake News zu verbreiten, Gegner zu schikanieren und den öffentlichen Diskurs zu manipulieren”, sagte der Ausschuss.

Ein Preis für alle Journalist*innen auf der Welt

“Dieser Preis ist wirklich für alle Journalist*innen auf der ganzen Welt”, sagte Ressa. Durch ihre kritische Berichterstattung über die Duterte-Regierung ist Ressa zu internationaler Berühmtheit gelangt. Unerschrocken setzt sich seit Jahren dafür ein, Korruption aufzudecken, Missbrauch zu dokumentieren und Fehlinformationen zu bekämpfen. Philippinische Pressevertreter und Menschenrechtsaktivisten begrüßen Ressas Auszeichnung als “Triumph”. Die Philippinen gelten als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Journalist*innen.

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©Maria Ressa

Seit Anfang des Jahres wurden weltweit 24 Journalist*innen getötet und 350 weitere inhaftiert. Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) bezeichnete die Auszeichnung als “Aufruf zur Mobilisierung zur Verteidigung des Journalismus”, der ein Gefühl der “Freude und Dringlichkeit” ausgelöst habe.

Die 58-jährige Journalistin ist aktuell gegen Kaution auf freiem Fuß. Derzeit hat sie Berufung gegen eine sechsjährige Haftstrafe eingelegt, die ihr im vergangenen Jahr wegen Verleumdung auferlegt wurde. Ressa sagte, die Auszeichnung zeige, dass das Komitee erkannt habe, dass “eine Welt ohne Fakten eine Welt ohne Wahrheit und ohne Vertrauen bedeutet. Wenn Fakten diskutabel werden, wird Journalismus zu Aktivismus”.

Eine Welt ohne Fakten ist eine Welt ohne Wahrheit und Vertrauen

2012 gründeten sie und drei andere Journalist*innen Rappler, eine Online-Nachrichtenplattform. Mit mehr als 100 Journalist*innen hat es sich zur viertgrößten Nachrichten-Website auf den Philippinen entwickelt. Es war eines der ersten Medien weltweit, dass die Schattenseiten der sozialen Medien aufzeigte, und wie sie von populistischen Führern manipuliert werden können, um an die Macht zu gelangen. Ihre Journalisten haben auch die Korruption unter Duterte aufgedeckt und die brutale Antidrogenkampagne des Präsidenten dokumentiert.

Unter der Regierung von Präsident Duterte, werden Journalist*innen in den Philippinen massiv bedroht. Im Mai 2020 wurde der größte Rundfunksender des Landes, ABS-CBN, abgeschaltet. Man hatte kritisch über den sogenannten „Krieg gegen die Drogen“ berichtet. Nach Angaben der philippinischen Polizei wurden seither mehr als 5000 mutmaßliche Drogenkriminelle getötet. Menschenrechtsgruppen gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl etwa drei Mal so hoch ist.

Ressa ist ihrerseits wiederholt ins Visier genommen worden – vor Gericht und im Internet. Der Präsident hat in Reden gegen sie gewettert und Rappler beschuldigt, “Fake News” zu verbreiten und ein Werkzeug der CIA zu sein.

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Jornalist*innen mit Repressionen mundtot machen

Insgesamt sind Ressa, Rappler und andere Mitarbeiter*innen mit mindestens elf staatlichen Ermittlungen und Gerichtsverfahren konfrontiert. Darunter Verleumdungsklagen, zwei Strafverfahren wegen angeblich illegaler ausländischer Beteiligungen an ihren Unternehmen und Ermittlungen zu ihren alten Steuererklärungen.

Die Autorin des Buches How to Stand Up to a Dictator hofft, die Erlaubnis zu erhalten, nach Norwegen zu reisen, um ihren Nobelpreis in Empfang zu nehmen.

Die philippinische Wahlsaison, die in diesem Monat mit der Registrierung von Kandidaten für mehr als 18.000 Ämter vom Präsidenten bis zum Stadtrat begonnen hat, sei entscheidend für das Land.

Im Mai werden die Wähler den Nachfolger von Duterte wählen. Erst Anfang Oktober hatte Präsident Rodrigo Duterte seinen Rückzug aus der Politik nach Ende seiner Amtszeit 2022 angekündigt. Möglicherweise zugunsten seiner Tochter.  Die 43-jährige Sara Duterte-Carpio war ihrem Vater bereits als Bürgermeisterin der Metropole Davao nachgefolgt.

Laut Verfassung darf der Präsident auf den Philippinen nur eine Amtszeit, also sechs Jahre, regieren. Dennoch hatte Duterte erst im Sommer Spekulationen über seine Ambitionen für das Vizepräsidentenamt bestätigt und damit scharfe Kritik der Opposition auf sich gezogen. Die Rückzugsankündigung des Präsidenten nährt aber auch Spekulationen, dass seine Tochter im kommenden Jahr kandidieren könnte.

Die Zukunft wird ein Kampf um Fakten

“Dies wird ein Kampf um Fakten”, sagte Ressa. Sie warnte, dass die Philippinen  “kurz davor seien, nur noch dem Namen nach eine Demokratie zu sein”. Die Filipinos gehören zu den weltweit größten Nutzern sozialer Medien. Das Land hat sich zu einem wichtigen Schlachtfeld für Fake News entwickelt.

Während der gesamten Kampagne gegen sie blieb Ressa, die auch US-Bürgerin ist, auf den Philippinen und sprach sich trotz der Risiken weiterhin gegen die Regierung Duterte aus. “Furchtlos zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben, es bedeutet nur, dass man weiß, wie man mit seiner Angst umgehen kann.”

Die sehenswerte Dokumentation über Maria Ressa und Rappler  “Die Unbeugsamen – Gefährdete Pressefreiheit auf den Philippinen” könnt ihr aktuell in der Ard Mediathek sehen.