Weltfrauentag 2021 - Asiatische Frauen, die uns 2020 inspiriert haben
Weltfrauentag 2021 - Asiatische Frauen, die uns 2020 inspiriert haben

Asiatische Frauen, die uns 2020 besonders inspiriert haben

Zum Internationalen Weltfrauentag 2021

Sie haben gegen Rassismus und Unterdrückung gekämpft, sich mächtigen Regierungen entgegengestellt oder andere dazu ermutigt, für ihre Rechte einzustehen. Der Internationale Weltfrauentag ist für uns Anlass, 10 asiatische Frauen vorzustellen, die uns mit ihrem Engagement besonders inspirieren.

Seit 1911 feiern Menschen rund um den Globus den „Internationalen Weltfrauentag“, an dem weltweit auf Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Der 8. März soll nicht nur die bisherigen Erfolge der Frauenrechtsbewegung feiern und die Aufmerksamkeit auf Geschlechtergleichheit richten. Er ist auch Anlass, die Errungenschaften, das Engagement, den Mut und die Arbeit von Frauen vorzustellen, um andere zu inspirieren.

Wir haben euch 10 asiatische Frauen rausgesucht, die nicht nur im letzten Jahr viel bewegt haben und unsere Aufmerksamkeit verdienen. Die Reihenfolge stellt dabei kein Ranking dar.

Naomi Osaka (Haiti/Japan)

Weltfrauentag 2021 - Asiatische Frauen, die uns 2020 inspiriert haben - Naomi Osaka
© Naomi Osaka (Official IG)

Naomi Osaka ist viel mehr als eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Welt. Gerade hat sie bei den Australian Open ihren vierten Grand-Slam-Titel gewonnen. Laut Forbes ist sie die Topverdienerin ihres Sports und das Time-Magazin hat die junge Frau längst in die Liste der 100 weltweit einflussreichsten Menschen aufgenommen.

Doch die charismatische Tennisspielerin sorgt nicht nur auf dem Court für Aufmerksamkeit. Osaka, die Tochter eines haitianischen Vaters und einer japanischen Mutter ist dafür bekannt, über die Sportszene hinauszublicken und selbstbewusst ihre Meinung zu vertreten. Besonders im letzten Jahr hat sie ihre Popularität und Reichweite genutzt, um Rassismus und Missstände in unserer Gesellschaft offen anzuprangern.

#BlackLivesMatter – Gegen Rassismus und Polizeigewalt

2020 war ein entscheidendes Jahr für die erst 23-jährige Naomi Osaka. Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd und den Schüssen auf Jacob Blake wurde Osaka kurzerhand zur einflussreichen Tennis-Aktivistin. Als einzige Einzelsportlerin hatte sie sich den Sportboykotten in den großen US-Ligen angeschlossen und ein Halbfinale bestreikt. Für die Sportlerin kein politisches Statement, sondern “eine humanitäre Haltung”, wie sie in “The Telegraph” schreibt. Bei den US Open im September 2020 unterstützte sie offen die Black Lives Matter-Bewegung, indem sie jeden Tag einen Namen der schwarzen Amerikanerinnen und Amerikaner auf ihrer Maske trug, die durch rassistische Polizeigewalt ums Leben kamen.

 

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Als multikulturell geprägte Frau ist ihr der Kampf gegen Rassismus sehr wichtig. Dass Naomi ihre Prominenz gezielt dazu nutzt, um für ihre Überzeugungen einzutreten, zeigt, dass sich der Tennissport eine bessere Repräsentantin nicht hätte wünschen können.

Chloé Zhao (China)

Weltfrauentag 2021 - Asiatische Frauen, die uns 2020 inspiriert haben-Chloe Zhao
Chloe Zhao

Die chinesische Regisseurin, Cutterin, Drehbuchautorin und Filmproduzentin Chloé Zhao schreibt gerade Geschichte. In der insgesamt 78-jährigen Geschichte der Golden Globes ist sie nicht nur die zweite Frau überhaupt, die als beste Regisseurin ausgezeichnet wurde. Sie ist auch die erste Frau ostasiatischer Herkunft, die je einen Golden Globe für die beste Regie gewonnen hat. Es ist auch ein historisches Jahr für die Golden Globes.  Zum ersten Mal überhaupt sind die Nominierungen in der Kategorie Beste Regie von Frauen dominiert.

Darüber hinaus wird Zhao‘s Film Nomadland als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Damit wäre sie möglicherweise die erste asiatische Frau, die in der Kategorie „Beste Regie“ nominiert wird. Zuvor gewann Zhao im September 2020 auch den Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Und damit nicht genug. Laut Variety ist Zhao in einer einzigen Preisverleihungssaison mit 34 Trophäen für die Regie, 13 für das Drehbuch und 9 für den Schnitt, die meistausgezeichnete Person der modernen Filmgeschichte.

Eine Regisseurin aus China erobert Hollywood

Zhao ist 1982 in Peking geboren und hat in „Nomadland“ nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat. Überall wird sie deshalb als Inspiration und Vorbild für junge ostasiatische Frauen gefeiert, die in Hollywood immer noch unterrepräsentiert sind. Ihre Eltern schickten sie im Alter von 14 auf „eines dieser Hogwarts-Internate“ in Großbritannien, wie sie in einem Interview mit der Vogue erzählt. Den Highschool-Abschluss machte sie schließlich in Los Angeles.

Bevor sie sich 2010 in New York dem Filmstudium widmet, studiert Zhao Politikwissenschaften in Massachusetts. Während ihres Studiums dreht sie 2 Kurzfilme und ihre Abschlussarbeit und Spielfilmdebüt Songs My Brother Taught Me (2015).

 Bei ihren bisherigen Produktionen setzte Zhao eher auf ein kleines Budget. Zhaos Filme, die hauptsächlich mit Laiendarsteller*innen besetzt sind, behandeln universelle Themen wie Abschied, Heimat und Selbstfindung. So auch in ihrem aktuellen Film Nomadland (2020), der die Geschichte von verarmten nomadischen Saisonarbeiter*innen im amerikanischen Westen erzählt. Ihre eigene Migrationsgeschichte hilft ihr dabei, unterschiedliche Blickwinkel einzufangen. Zhao möchte, dass ihre Geschichten etwas sind, mit dem sich die Menschen verbinden können, ganz gleich, woher sie kommen.

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Auch in Zukunft werden wir noch viel von Chloé Zhao hören. Ihr nächster Film steht schon in den Startlöchern und soll Ende 2021 in die Kinos kommen. Mit der Regiearbeit an Eternals aus dem Marvel-Universum konnte sich Zhao jetzt einen Kindheitstraum erfüllen. Schon als Kind wollte sie Manga-Zeichnerin werden, leider fehlt ihr nach eigenen Angaben das Talent zum Zeichnen. Mit Stars wie Angelina Jolie, Kumail Nanjiani, Kit Harrington, Gemma Chan und Ma Dong-seok ist Zhao’s bisher größtes Projekt hochkarätig besetzt.

Masia One (Singapur)

Masia One - Die Königin von Hip Hop und Reggae in Südostasien

In Südostasien ist Rapperin, Sängerin, Entrepreneurin und Kulturbotschafterin Masia One besonders dafür bekannt, die Hip Hop und Reggae-Kultur zu verbreiten. Geboren und aufgewachsen in Singapur und Kanada, hat sie bereits für Hip Hop-Größen wie RZA, Talib Kweli, The Game, Pharrell und Dr. Dre gearbeitet. Als mehrfach ausgezeichnete Künstlerin tourte sie bereits in über 20 Ländern und war Headlinerin von diversen internationalen Festivals.

Nun hat das vielbeschäftigte Multitalent kürzlich eine Kampagne gegen sexuelle Gewalt ins Leben gerufen. Die Künstlerin reagiert damit auf einen Vorfall, der sich auf ihrer Australien-Tour im Jahr 2019 ereignete. Masia entschloss sich, den Übergriff an ihrem Crewmitglied öffentlich zu machen und auf einer Single zu thematisieren. Not All That Glitters is Gold spricht sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt, insbesondere in der Hip Hop und Reggae-Szene aus und teilt Erfahrungen aus dem wahren Leben, die über den Song hinausgehen. Die Lyrics behandeln schwierige Themen wie Grooming, Belästigung und sexuelle Gewalt und ermutigen Menschen, sich gegen diese Übergriffe auszusprechen.

#NotAllThatGlittersIsGold – Masia’s Kampagne gegen sexuellen Missbrauch

Mit der gleichnamigen Kampagne Not All That Glitters Is Gold (@not.allthatglitters ) wollen Masia und die asiatische Künstlerin General Ling (@generalling) den Dialog über sexuellen Missbrauch und toxische Männlichkeit anregen, sowie Opfer dazu ermutigen, ihre Geschichten und Erfahrungen zu teilen. Die Kampagne spiegelt die Ziele der UN UNiTE-Kampagne wider und zielt darauf ab, den Aufruf zum globalen Handeln zu verstärken.

 

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Besonders für Opfer sexueller Gewalt bleibt es oft schwierig, das Wort zu ergreifen und Erlebtes zu teilen. Viele haben Angst vor den Konsequenzen oder den eigenen Ruf zu ruinieren. Reaktionen wie „Bist du sicher, dass dies wirklich so passiert ist?“, „Was hatte sie an?“ oder „Was hat sie getan, um das anzustiften?“ sind dabei keine Seltenheit. Mit dem Projekt Not All That Glitters is Gold will Masia One bekräftigen, dass Opfer die Schuld nicht bei sich suchen müssen, dass ihren Erfahrungen Glauben geschenkt wird und dass es wichtig ist, als Community hinter den sogenannten Survivors zu stehen.

Mehr Infos über die sogenannte Far East Empress Masia One findet ihr in diesem Beitrag.

Agnes Chow (Hongkong)

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© Agnes Chow (Official IG)

Die Kantonesin Agnes Chow gehört zu den prominentesten Gesichtern der Demokratiebewegung in Hongkong. Ihr politisches Engagement begann 2012, als sie gemeinsam mit anderen Schüler*innen gegen einen Lehrplan protestierte, der Hongkonger Schüler*innen prochinesischen »Patriotismus« einflößen sollte.

Kurze Zeit darauf lernte sie den berühmten Aktivisten Joshua Wong kennen und beteiligte sich an der sogenannten Regenschirm-Protesten im Jahr 2014. Zwei Jahre später gründete Agnes Chow die prodemokratische Partei Demosistō mit. 2018 wäre sie fast jüngstes Mitglied des Parlaments geworden. Für den Wahlkampf unterbrach die Studentin ihr Studium und gab sogar ihre britische Staatsbürgerschaft ab, eine Bedingung für die Wahlteilnahme. Doch die Behörden ließen sie trotzdem nicht zu.

In Japan nennt man Agnes Chow die „Göttin der Demokratie“

Bevor die Protestbewegung 2019  wieder aufflammte, studierte Chow an einer Hongkonger Universität Internationale Beziehungen. Neben Kantonesisch spricht sie fließend Englisch und Japanisch. Letzteres hat sie sich mithilfe von Fernsehshows und Anime selbst beigebracht. Auf Youtube betreibt sie einen beliebten Kanal, auf dem sie auf Kantonesisch und Japanisch auch für politische Unterstützung wirbt. In japanischen Talkshows ist Chow ein gern gesehener Gast, in Japan nennt man sie auch „Göttin der Demokratie“.

 

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Wegen einer nicht genehmigten Versammlung vor dem Hongkonger Polizeipräsidium am 21.06.2019 wurde die Aktivistin Ende 2020 zu einer 10-monatigen Haftstrafe verurteilt. Gemeinsam mit Tausenden hatte sie das Polizeihauptquartier umrundet und sowohl gegen Polizeigewalt, als auch gegen gegen einen Gesetzentwurf zur Auslieferung von verdächtigen Straftätern an China protestiert.

Maria Ressa (Philippinen)

Weltfrauentag - 10 inspirierende asiatische Frauen- Maria Ressa
©Maria Ressa

 Maria Ressa ist eine philippinische Journalistin und Mitgründerin des Online-Mediums Rappler. Rappler ist bekannt für investigative Recherchen und eine kritische Haltung gegenüber dem Präsidenten Rodrigo Duterte. Gegen Maria Ressa laufen seit 2017 insgesamt acht Verfahren wegen Verleumdung, Steuerhinterziehung und illegalem ausländischem Eigentum am Medienhaus Rappler. Im Juni 2020 wurde Maria Ressa im ersten Prozess der „Cyber-Verleumdung“ für schuldig befunden. Ebenso in einem zweiten Verfahren im Dezember 2020. Ihr könnten insgesamt bis zu 14 Jahre Haft drohen.

Maria Ressa ist 1963 geboren, wuchs in Manila auf und zog im Alter von 9 Jahren zusammen mit ihren Eltern in die USA. Sie begann ein Studium der Biologie und Englisch an der renommierten Princeton-Universität, welches sie mit einem Bachelor in Englisch abschloss. Im Anschluss daran kehrte sie mit einem „Fulbright-Stipendium“ für politisches Theater nach Manila zurück und absolvierte ein Masterstudium an der Universität der Philippinen UP.

Seit über 30 Jahren ist Ressa als Journalistin in Asien tätig. Die meiste Zeit davon als CNN-Büroleiterin in Manila (1987-1995) und später in Jakarta (1995-2005). Sie war CNN’s führende investigative Reporterin mit Schwerpunkt Terrorismus in Südostasien. Darüber hinaus schrieb sie die beiden Bücher: Seeds of Terror: An Eyewitness Account of al-Qaeda’s Newest Center of Operations in South-East und From Bin Laden to Facebook.

Unerschrocken gegen Fake-News und für die Pressefreiheit

2012 gründeten sie und drei andere Journalist*innen Rappler, eine eigene Online-Nachrichtenplattform. Mit mehr als 100 Journalist*innen hat es sich zur viertgrößten Nachrichten-Website auf den Philippinen entwickelt. Unter der Regierung von Präsident Duterte, werden Journalist*innen in den Philippinen massiv bedroht. Im Mai 2020 wurde der größte Rundfunksender des Landes, ABS-CBN, abgeschaltet, nachdem dort kritisch über den sogenannten „Krieg gegen die Drogen“ berichtet worden war. Nach Angaben der philippinischen Polizei wurden seither mehr als 5000 mutmaßliche Drogenkriminelle getötet. Menschenrechtsgruppen gehen aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl etwa drei Mal so hoch ist.

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Maria Ressa

Durch ihre kritische Berichterstattung über die Duterte-Regierung ist Ressa zu internationaler Berühmtheit gelangt. 2018 wurde sie vom US-Magazin „Time“ zu einer der Persönlichkeiten des Jahres gekürt. Unerschrocken setzt sich seit Jahren dafür ein, Korruption aufzudecken, Missbrauch zu dokumentieren und Fehlinformationen zu bekämpfen.

Sie ist mit ihrer Arbeit zu einem Symbol für die Pressefreiheit auf den Philippinen geworden. Ihre Beiträge beendet Ressa oft mit den Worten: „Wir sind Journalisten, und wir werden uns nicht einschüchtern lassen. We will shine the light. We will hold the line.“ Rapplers Kampf für Wahrheit und Demokratie ist das Thema des aktuellen Dokumentarfilms A Thousand Cuts der Regisseurin Ramona Diaz.

 

Yuri Kochiyama (Japan)

"Weltfrauentag

 Yuri Kochiyama weilt zwar leider nicht mehr unter uns, aber das Jahr 2020 hat deutlich gemacht, dass Stimmen wie Kochiyamas dringend gebraucht werden.

Kochiyama wurde 1921, als Tocher japanischer Einwanderer in San Pedro, Kalifornien, geboren und wuchs dort auf. Im Jahr 1943 wurden Kochiyama und ihre Familie unter Präsident Roosevelts Executive Order 9066 für zwei Jahre in ein Konzentrationslager in Jerome, Arkansas, geschickt. Diese Erfahrung sensibilisierte Kochiyama für die Missstände in der Regierung.

Nach ihrer Freilassung heiratete sie Bill Kochiyama, einen Veteranen der rein japanisch-amerikanischen 442nd-Kampfeinheit. Das Paar zog gemeinsam nach New York City. Das Leben in den Wohnprojekten unter Schwarzen und puerto-ricanischen Nachbarn weckte ihr Interesse an der Bürgerrechtsbewegung.

Asian Americans for Action

In Harlem der frühen 1960er Jahre, wurde sie fester Bestandteil in kommunalen und politischen Aktionsgruppen. Als Gründerin von Asian Americans for Action versuchte sie auch, eine politischere asiatisch-amerikanische Bewegung aufzubauen, die sich mit dem Kampf für die Gleichstellung der Schwarzen verbinden sollte.

Im Jahr 1963 traf sie Malcolm X. Ihre Freundschaft und politische Allianz vertiefte ihren Aktivismus für Menschenrechte und Rassengerechtigkeit. Yuri war an dem Tag anwesend, als er 1965 auf tragische Weise erschossen wurde. In dem Life-Magazin-Artikel „Death of Malcolm X“ sieht man sie im Hintergrund kauernd, den Kopf von Malcolm X stützend.

Unermüdlich im Kampf für Menschenrechte

Kochiyamas Arbeit im Kampf für soziale Gerechtigkeit war umfangreich.Die Unterstützung für politische Gefangene – Afroamerikaner, Puerto-Ricaner, amerikanische Ureinwohner, asiatische Amerikaner und progressive Weiße – war dabei ein roter Faden in ihrer Arbeit.

Weltfrauentag 2021 - Asiatische Frauen, die uns 2020 inspiriert haben- Yuri Kochiyama

Bis kurz vor ihrem Tod war Kochiyama eine unermüdliche politische Aktivistin, die ihr Leben dem sozialen Wandel durch ihre Teilnahme an Bewegungen für soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte widmete. Nach 9/11 rief sie in einer Rede dazu auf „an Pearl Harbor zu erinnern“, da Araber, Muslime und Südasiaten zunehmend zu den „neuesten Zielen von Rassismus und Hysterie“ wurden. Die lebenslange Freiheitskämpferin Yuri Kochiyama ist am 1. Juni 2014 im Alter von 93 Jahren verstorben.

 

Mai Thi Nguyen-Kim (Vietnam)

Weltfrauentag 2021 - Asiatische Frauen, die uns 2020 inspiriert haben- Mai Thi Nguyen Kim
©MaiThiNguyenKim

 Dr. Mai Thi Nguyen-Kim ist eine vielfach ausgezeichnete deutsche Wissenschaftsjournalistin. Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin und forschte – bevor sie in den Journalismus wechselte – unter anderem am MIT und der Harvard University. Ab April 2021 wird sie unter anderem für die Doku-Reihe »Terra X« im ZDF und in einer neuen Show beim Spartensender ZDFneo zu sehen sein.

Mai Thi Nguyen-Kim ist 1987 in Heppenheim geboren, ihre Eltern stammen aus Vietnam. Bekannt geworden ist die 33-Jährige vor allem durch ihren eigenen YouTube-Kanal “maiLab”. Die maiLab-Wissenschaftsredaktion hat es sich zum Anspruch gemacht, tiefer zu gehen als andere Youtube-Formate. Dabei werden dem Publikum Einblicke vermittelt, die anderswo als zu kompliziert abgetan werden.

Mit Fakten gegen Verschwörungserzählungen

Auf unterhaltsame Weise erklärt sie in ihren Videos naturwissenschaftliche Phänomene mit viel Kompetenz und Körpereinsatz. Mit der Absicht, Stereotype wie Wissenschaftsnerds infrage zu stellen und ein junges Publikum für naturwissenschaftliche Themen zu begeistern, startete 2016 der Kanal. Besonders für viele junge Frauen ist Nguyen-Kim mittlerweile zum Vorbild geworden. In den Naturwissenschaften sind Frauen bis heute immer noch unterrepräsentiert.

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Ihr Corona-Video vom April ist in Deutschland das meistgeklickte Video 2020. In Bezug auf die vielen Fakenews rund um die Corona-Pandemie fordert Nguyen-Kim mehr Medien- und Quellenkompetenz. Für ihre Arbeit erhielt sie 2020 vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz und Angela Merkel zitierte sie sogar im Bundestag. Darüber hinaus wurde sie im Dezember 2020 zur Journalistin des Jahres gekürt.

 

Yuna (Malaysia)

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©Yuna (Official IG)

 Yunalis binti Mat Zara’ai, auch bekannt unter den Namen Yuna, ist eine Sängerin aus Kedah, Malaysia. Mit ihren Songs und ihrem Stil hat Yuna eine ganze Generation junger Frauen in Südostasien inspiriert.

Trotz ihres internationalen Erfolgs in der Musikindustrie ist die 34jährige ihren malaysischen Wurzeln treu geblieben. Ihr Markenzeichen sind die bunten und gebundenen Kopftücher. Sie ist dazu die erste muslimische Musikerin, die bei dem US-amerikanischen Label Verve Records unter Vertrag stand. Yuna hat sich nie vor ihrer Religion gescheut und praktiziert ihren Glauben trotz öffentlicher Kritik offen.

Eine muslimische, asiatische Frau macht Karriere in der internationalen Musikindustrie

Gegenüber Billboard sagt sie „Ich bin eine muslimische asiatische Frau, die Musik in der amerikanischen Musikindustrie macht. Das ist irgendwie unerhört. Da ich eine muslimische asiatische Frau bin, die ziemlich offen über ihre Identität spricht, versuche ich nicht, mich angesichts des politischen [Umfelds] zu verstecken.“

Yuna wuchs in einer musikalischen Familie auf. Ihr Vater liebte amerikanische Popmusik und spielte Gitarre und Klavier, während ihre Mutter gerne sang. Seit ihrem 14. Lebensjahr schrieb sie eigene Songs. Als musikalischen Einflüsse nennt sie neben Coldplay, Bob Dylan auch die Sängerin Feist.

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©Yuna

Doch zunächst hatte die schulische Ausbildung Vorrang. Da sie nicht vor hatte, Sängerin zu werden, konzentrierte sie sich schließlich auf ihr Jurastudium. Erst vor ihrem letzten Jahr des Jurastudiums an der Universität verfolgte Yuna ihr musikalisches Interesse. Bei einer malaysischen Gesangs-Wettbewerbs-TV-Show schaffte sie es bis in die Top 40.

Nachdem sich Labels anfangs geweigert haben sie unter Vertrag zu nehmen, nahm sie die Sache selbst in die Hand. Gemeinsam mit ihrem Manager Wawa gründete sie ein unabhängiges Label, Yuna Room Records.  Heute unterstützt das Label lokale Indie-Künstler in Malaysia.

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Die talentierte Sängerin kann mittlerweile auf eine 10-jährige Karriere in der internationalen Musikszene zurückblicken. Sie arbeitete mit preisgekrönten Künstlern wie Usher, Pharrell Williams, Epik High, G-Eazy, Jay Park und Jhené Aiko zusammen. Im Juli 2019 verzauberte Yuna die Welt erneut mit ihrem verträumten, gefühlvollen R&B-Pop-Sound. Ihrem bereits vierten Studioalbum namens Rouge.

 

Amanda Nguyen (USA)

amerikanisch-vietamesische Bürgerrechtlerin Amanda Nguyen
©AmandaNguyen

Die US-Vietnamesin Amanda Nguyen ist 1991 geboren und ist Gründerin und CEO von Rise, einer US-amerikanischen, nichtstaatlichen Bürgerrechtsorganisation. Mit ihrer 2014 gegründeten Organisation widmet sich die Tochter vietnamesischer Einwanderer Gesetzesreformen für Opfer sexueller Übergriffe.

Nguyen wuchs in Kalifornien auf und machte ein Praktikum bei der NASA, während sie an der Harvard University studierte. Ihr Traum war immer Astronautin zu werden. Doch dann wurde sie 2013 in ihrem Studentenwohnheim vergewaltigt. Die meisten Menschen nehmen an, dass die eigentliche Tat der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung der traumatischste Teil ist. Doch die Nachwirkungen, die Nguyen durch ein juristisches Labyrinth führten, waren ebenso schädlich.

In vielen US-Staaten wurden Überlebenden die Kosten für ihre Vergewaltigungsuntersuchungen in Rechnung gestellt, obwohl ein Bundesgesetz dies verhindern soll. In anderen wurden diese Untersuchungskits nach sechs Monaten vernichtet – lange bevor viele Überlebende bereit waren, Anzeige zu erstatten.

Die Tatsache, dass sich die Opfer, zusätzlich zu ihrer eigenen Heilung und Anklage gegen ihren Angreifer, auch noch um den Schutz ihrer Vergewaltigungskits kümmern müssen, machten Nguyen fassungslos. Diese Erfahrung inspirierte sie dazu, Rise zu gründen, eine gemeinnützige Organisation, die sich für den Schutz von Vergewaltigungsüberlebenden einsetzt. Infolgedessen hat sie 2016, die „Sexual Assault Survivors Bill of Rights“ entworfen.

Unsere Stimme als mächtigstes Werkzeug gegen Ungerechtigkeit

Der Gesetzentwurf schützt das Recht eines Opfers, dass sein Vergewaltigungskit nicht vor Ablauf der Verjährungsfrist vernichtet wird. Darüber hinaus verlangt es, dass Überlebende Zugang zu ihren Vergewaltigungskits und medizinischen Aufzeichnungen haben. Außerdem sollen Opfer 60 Tage vorher informiert werden, bevor ihr Untersuchungskit zerstört wird, damit sie genug Zeit haben, um auf ihre medizinischen Informationen zuzugreifen und sie zu schützen.

Das Gesetzt wurde einstimmig durch den Kongress verabschiedet und im Oktober 2016 von US-Präsident Barack Obama unterzeichnet. Mittlerweile sind durch den Einsatz von Rise über 25 Gesetze im ganzen Land verabschiedet worden. Nguyen und ihr Team arbeiten aber auch daran, dass weltweit Gesetze für die Rechte von Opfern sexuellen Übergriffen verabschiedet werden.

Für ihre Arbeit als Aktivistin wurde Nguyen für den Friedensnobelpreis 2019 nominiert. Erst 16 Frauen vor ihr, haben in der 118-jährigen Geschichte des Friedensnobelpreises eine Nominierung erhalten. In einer Zeit von #metoo, nutzt Nguyen ihre Stimme, um den Wandel in ihre eigenen Hände zu nehmen. Ihr Rat an junge Menschen ist: „Niemand ist machtlos, wenn wir zusammenkommen. Niemand kann uns unsichtbar machen, wenn wir verlangen, gesehen zu werden.“

 

Kamala Harris (USA)

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Inauguration Kamala Harris

Kamala D. Harris ist seit dem 20. Januar 2021 die Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie ist damit die erste Frau, die erste schwarze Amerikanerin und die erste südasiatische Amerikanerin, die zur Vizepräsidentin gewählt wurde.

Harris kann auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken. Sie kommt im Jahr 1964 in Oakland, Kalifornien zur Welt. Ihre Mutter Shyamala Gopalan war eine Brustkrebsforscherin und emigrierte 1960 aus Indien nach Amerika. Shyamala Gopalan war selbst eine Pionierin und erhielt ihren Doktortitel im selben Jahr, in dem Kamala geboren wurde. Ihr Vater Donald J. Harris, ein Wirtschaftsprofessor aus Jamaika, kam ebenfalls Anfang der 1960er über ein Stipendium in die USA. Harris Eltern trennen sich als sie sieben Jahre alt ist.

 Ihre Eltern waren Aktivisten in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Durch ihren Einfluss vermittelten sie ihrer Tochter einen starken Sinn für Gerechtigkeit. Als Kind wurde sie zu Bürgerrechtsdemonstrationen mitgenommen.Ausgrenzungserfahrungen und Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe haben ihr Leben geprägt. Die prominente Bürgerrechtlerin Constance Baker Motley motivierte sie schließlich Staatsanwältin zu werden. Sie studierte an der Howard Universität in Washington Politikwissenschaften und Wirtschaft, anschließend Rechtswissenschaft in San Francisco.

Wegbereiterin auf vielen Ebenen

Nachdem sie ihr ganzes Leben lang im öffentlichen Dienst tätig war, wurde Harris erst zur Bezirksstaatsanwältin von San Francisco und 2010 zur Generalstaatsanwältin von Kalifornien gewählt. Anfang 2015 kündigte Harris ihre Kandidatur für den US-Senat an. Als zweite Schwarze zog sie im Januar 2017 in den US-Senat ein. Im Jahr 2019 bewarb sie sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Obwohl sie im Vorwahlkampf mehrfach mit Joe Biden aneinandergeriet, holte er sie später in sein Team und machte sie zur ersten weiblichen Vizepräsidentin in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

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Kamala Harris Familie

 

 

 

 

 

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