Asiatische Dokumentarfilme -Shirkers Dokumentarfilm Singapur
©Shirkers

Asiatische Dokumentarfilme, die man gesehen haben muss

Was bewegt die Menschen in Asien, wie sieht ihre Lebensrealität aus und mit welchen Herausforderungen haben sie zu kämpfen? Dokumentarfilme sind eine wunderbare Möglichkeit, neue Perspektiven einzunehmen und in fremde Welten einzutauchen. Wir haben für euch eine kleine Auswahl besonders sehenswerter Dokumentationen von asiatischen Filmemachern zusammengestellt.

Thematisiert werden u.a. gesellschaftliche Missstände, Globalisierungsfolgen, Umweltprobleme und menschliche Schicksale. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen aber die Erzählungen und das Leben der menschlichen Protagonisten, die uns seltene und einfühlsame Einblicke in ihren Lebensalltag gewähren. Ihre Sorgen, Probleme und Hoffnungen machen diese Dokumentarfilme aus Asien zu wahren Filmperlen. Einige von ihnen sind sogar kostenlos im Netz verfügbar.

Sunday Beauty Queen – Philippinen (2016)

In Hongkong leben mehr als 190.000 philippinische Hausangestellte, auch OFW’s (Overseas Filipino Workers) genannt. Die meisten von ihnen haben ihre Familien und Kinder auf den Philippinen zurückgelassen, um im Ausland eine besser bezahlte Arbeit zu finden. In der neuen Heimat ist ihr Alltag von miesen Arbeitsbedingungen und der Willkür ihrer Arbeitgeber geprägt. Ihre einzige Zuflucht ist der Sonntag, an dem sich die Hausangestellten treffen, um Schönheitswettbewerbe zu organisieren und sich miteinander auszutauschen.

Die grosse philippinische Community hat sich in Hongkong ein Netzwerk geschaffen, in dem es nicht nur um oberflächliche Zurschaustellung geht. Vielmehr spielen das Beisammensein, Spaß und der Dialog über die Heimat eine zentrale Rolle. Die Einnahmen aus den regelmäßigen Schönheitswettbewerben gehen an einen Hilfsfond, der in Not geratene Hausangestellte unterstützt. Mit viel Einfühlungsvermögen gelingt es der philippinischen Filmemacherin Baby Ruth Villarama, auf die Probleme von Millionen Einwanderern auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. Sunday Beauty Queen ist ein inspirierender Film, der zeigt, wie Selbstermächtigung und die Vernetzung von Menschen dem Einzelnen dabei helfen können, die eigene Würde auch unter prekären Lebensbedingungen zu bewahren.

Sunday Beauty Queen
Länge: 95min
Land: Philippinen
Regie: Baby Ruth Villarama

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A river changes course – Kambodscha (2012)

Der preisgekrönte Film erzählt die Geschichte dreier kambodschanischer Familien. Sie sind in Folge der Globalisierung und verheerenden Umweltproblemen dazu gezwungen, ihre traditionellen Lebensweisen aufzugeben. Für A river changes course begleitet die kambodschanisch-amerikanische Regisseurin Kalyanee Mam die Kleinbauer- und Fischerfamilien von Sav, Khieu and Sari über einen Zeitraum von ca. 2 Jahren. Mittels eindrucksvoller Aufnahmen zeigt der Film, wie die Abholzung der Wälder und die Überfischung der Flüsse den ländlichen Bewohnern Kambodschas die Lebensgrundlage entzieht. Viele von ihnen zieht es in die Fabriken der Großstädte, wo sie unter miesen Arbeitsbedingungen und für einen Hungerlohn schuften, um ihre Familien zu ernähren. Mit ruhigen, aber intensiven Aufnahmen gewährt Mam uns seltene Einblicke in den schwierigen Alltag ihrer Protagonisten.

A river changes course
Länge: 83min
Land: Kambodscha
Regie: Kalyanee Mam

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Plastic China – China (2016)

Der chinesische Dokumentarfilm Plastic China von Jiu-Liang Wang zeigt den bewegenden Alltag zweier Familien in einer der vielen Plastik-Abfallwerkstätten in China. Die 11-jährige Yi Jie lebt mit ihren Eltern und Geschwistern inmitten von Plastikbergen und träumt davon, endlich in die Schule gehen zu können. Ihr Vater hat es ihr versprochen, gibt seinen spärlichen Lohn aber lieber für Alkohol aus. Dahingegen träumt der Besitzer der Recyclinganlage davon, sich endlich ein eigenes Auto zu leisten, um in Chinas wachsende Mittelschicht aufzusteigen.

Trotz der 2018 eingeführten Importeinschränkungen nimmt China jährlich immer noch zehntausende Tonnen von Plastikabfällen aus der ganzen Welt an und verarbeitet sie zu neuen Plastikprodukten, die wiederum in die ganze Welt exportiert werden. Ein nicht aufhörender Kreislauf. Den Preis dafür zahlen die Ärmsten, die wie Yi Jie und ihre Familie in einer hochgiftigen Umgebung aufwachsen und leben. Das Porträt der Bewohner der sogenannten ‚United Nations of Plastic Waste‘ macht mit eindringlichen Bildern auf die Konsequenzen aufmerksam, vor der die westliche Konsumgesellschaft gerne die Augen verschliesst.

Plastic China
Länge: 81min
Land: China
Regie: Jiu-Liang Wang

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Gatekeeper – Japan (2016)

Der kurze Dokumentarfilm Gatekeeper begleitet den pensionierten Polizisten Yukio Shige auf einer selbstlosen Mission. Er versucht Personen an den Tojinbo-Klippen in der japanischen Präfektur Fukui vom Selbstmord abzuhalten. Ausgerüstet mit geübtem Blick und einem Fernrohr patrouilliert Shige täglich an den Klippen entlang, um Verzweifelten in letzter Minute Hilfe anzubieten. Über 500 Menschen haben Shige und sein Team in den letzten 12 Jahren schon vor dem Sturz in den Tod bewahrt.

Aus Frust über die Untätigkeit der japanischen Regierung hat er eine kleine Hilfsorganisation gegründet, die Betroffenen helfen soll. In seinem kleinen Café bietet er neben japanischen Süßigkeiten vor allem emotionale Unterstützung an. Den menschlichen Schicksalen und Abgründen, denen er täglich ins Auge blickt, begegnet Shige ganz ohne Vorurteile. Anders als der Großteil der japanischen Gesellschaft, spricht er Tabuthemen wie Depressionen und Selbstmordgedanken an und gibt Menschen damit neue Hoffnung. Japan hat eine der weltweit höchsten Suizidraten, jedes Jahr nehmen sich hier rund 25.000 Menschen das Leben.

Traurig-makabrer Nebeneffekt: Der malerische Küstenort Tojinbo mit seinen schroffen Klippen ist durch die vielen Selbstmorde zu einer Touristenattraktion geworden, aus der Reiseunternehmen Profit schlagen. Der mehrfach preisgekrönte kanadisch-chinesische Regisseur Yung Chang (Up the Yangtze und China Heavyweight) dokumentiert in beeindruckenden und gleichzeitig nervenaufreibenden Bildern, wie Shige und sein Team unermüdlich Leben retten wollen.

Gatekeeper
Länge: 39min
Land: Japan, Kanada
Regie: Yung Chang

Hier der Link zum ganzen Film 

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Shirkers – Singapur (2018)

Shirkers erzählt die skurrile Geschichte eines Roadmovies aus Singapur aus dem Jahr 1992. Fast wäre aus diesem der erste Indiefilm Singapurs geworden, doch es kam anders. 1992 sind Sandie Tan, Jasmine Ng und Sophie Siddique noch drei rebellische Teenager, die sich für Filme begeistern. Gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mentor Georges Cardona drehten sie eine kunstvolle Low-Budget-Produktion über eine Serienmörderin und eiferten damit ihren Idolen wie z.B. David Lynch nach. Weil Cardona urplötzlich mit dem gesamten Filmmaterial spurlos verschwand, konnte der Film nie veröffentlicht werden. Den Teenagern hinterließ der Amerikaner zerplatzte Träume und die große Frage nach dem Warum.

Über 20 Jahre später bekommt Sandie Tan dann plötzlich eine Email der Witwe Cardonas, die ihr einen Teil der Filmbänder zurückschickt. Leider ohne Tonspur und damit fürs Erste unbrauchbar. Es dauert noch weitere 3 Jahre bis Tan nach Singapur zurückkehrt, um sich mit den verloren geglaubten Filmmaterial auseinanderzusetzen. Shirkers ist ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm. In wunderschönen Retro-16mm Bildern und mittels Interviewaufnahmen der Beteiligten von damals geht Tan nicht nur dem Mysterium um Shirkers und Cardonas Rolle in der ganzen Geschichte nach. Sie blickt auch zurück in die Welt einer eigenwilligen Jugendlichen und dem Erwachsenwerden im autoritären Singapur der 1990er Jahre. Kurz gesagt macht diese Mischung Shirkers zu einem  äußerst sehenswerten Film.

Shirkers
Länge: 96min
Land: Singapur
Regie: Sandie Tan

Auf Netflix verfügbar

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Jangmadang Generation – Südkorea (2017)

Diese außergewöhnliche Dokumention Jangmadang Generation der Hilfsorganisation Liberty in North Korea (LINK) zeigt junge Nordkoreaner, die womöglich eines Tages einen grundlegenden Wandel in Nordkorea hervorrufen könnten. In Südkorea ansässig, unterstützt LINK Überläufer, die es geschafft haben, über die Grenze nach Südkorea zu fliehen. Die Protagonisten der Dokumentation sind junge Menschen, die während der letzten verheerenden Hungersnot Mitte der 1990er Jahre in Nordkorea aufgewachsen sind. Man nennt sie die ‚Jangmadang‘-Generation, benannt nach dem Schwarzmärkten, die aus der Not der Menschen überall im Land entstanden.

Um den Hunger und die Not zu überleben, fingen auch Kinder und Jugendliche an, Waren aus China über die Grenzen zu schmuggeln. Das totalitäre Regime in Pjöngjang konnte keinen Aufstand riskieren und tolerierte die Schwarzmärkte. Mittlerweile sind sie legal und zu einer Art Anlaufstelle geworden, um verbotene Gegenstände aus dem Ausland zu bekommen. Die junge Generation ist quasi aus der Not zu einheimischen Kapitalisten geworden. Der Film Jangmadang Generation entstand aus dem Wunsch der Flüchtlinge heraus. Diese wollten zeigen, dass Nordkorea nicht nur aus Kim Jong-un und Atomwaffen besteht. Die stille Rebellion der Jugendlichen, ihre Solidarität und ihr enormes Improvisationstalent sollen eine neue Perspektive auf das abgeschottete Nordkorea geben.

Jangmadang Generation
Länge: 51min
Land: Südkorea
Regie: Chad Vickery & Sokeel Park

Hier der Link zum ganzen Film

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Tokyo Idols – Japan (2017)

Der Film Tokyo Idols porträtiert den Traum von annähernd 10.000 jungen Mädchen in Japan. Sie werden als ‚Idols‘ bezeichnen und sind im japanischen Alltag quasi omnipräsent. Verehrt werden Idols von Millionen von Menschen. Jedoch offenbart ein Blick hinter die Kulissen der glamourösen J-Pop-Industrie Schattenseiten und bizarre Managementpraktiken. Eines dieser Idols ist die 19-jährige Rio. Das Leben als Popsternchen verlangt dem jungen Mädchen viel ab. Rund um die Uhr muss sie in Online-Livechats, auf Konzerten und für Meet & Greet- Treffen mit ihren Fans verfügbar sein. Auch thematisiert der Dokumentarfilm die fast sektenhafte Obsession der Idol-Fans, die hauptsächlich aus Männern zwischen 30 und 50 Jahren besteht. Um die Popularität ihrer Idols zu steigern, stürzen sich etliche Fans mit Merchandise- und CD-Käufen in horrende Schulden.

Das Geschäft mit den ‚Idols‘ ist ein riesige Geldmaschine, die Japans Musikindustrie schon seit den 1970er prägt. Die japanische Filmemacherin Kyoko Miyake zeigt uns in ihrem Dokumentarfilm ein für westliche Blicke recht verstörendes Pop-Phänomen Japans. Unter der Oberfläche der glitzernden Idol-Scheinwelt hinterfragt die Dokumentation die komplexen Dynamiken der Geschlechter in einer hypermodernen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die die Unschuld junger Mädchen und ihren Traum nach Aufmerksamkeit vermarktet.

Tokyo Idols
Länge: 88min
Land: Japan
Regie: Kyoko Miyake

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