Asche ist reines Weiß

Die besten asiatischen Filme

Asiatische Filmhighlights für den Lockdown

Gemeinsam mit Japan und Südkorea ist China mittlerweile das wichtigste Land, wenn es um asiatische Filme geht. Doch in der westlichen Filmindustrie, gelang es bislang nur wenigen Ausnahmen mehr als ein Nischenpublikum zu erreichen. Die lang verdiente Anerkennung kam 2020, als der südkoreanische Film Parasite als erster fremdsprachiger Film den Oscar für den Besten Film gewann.

Trotzdem gehören auch 2021 Kontaktbeschränkungen und geschlossene Kulturbetriebe immer noch zu unserem Alltag. Die globale Pandemie hatte auf der ganzen Welt enorme Auswirkungen auf die Kreativwirtschaft.

Wie auch in Europa, haben Kreative in Asien zu Kampagnen zur Unterstützung der lokalen Filmindustrie aufgerufen. In Südkorea wurde unter dem Hashtag #SaveOurCinemas eine Initiative ins Leben gerufen. Dabei soll das Publikum ermutigt werden, mehr über Independent- und Arthouse-Filme zu erfahren. Gleichzeitig sollen unabhängige Kinos finanziell unterstützt werden.

Mit Hilfe von etablierten Filmemachern wie Hirokazu Kore-eda (Shoplifters), sind auch in Japan Kampagnen wie #SaveTheCinema entstanden. Einerseits wurden Crowdfunding-Aktionen von Filmschaffenden organisiert. Andere forderten die japanische Regierung auf, die von der Schließung bedrohten Kulturbetriebe mit Hilfszahlungen zu unterstützen

In diesem Sinn wollen wir als Plattform für asiatische Kunst und Kultur dazu beitragen, indem wir auf die neuesten Film-Highlights hinweisen. Die xPlicitAsia-Redaktion hat für euch die Perlen der Streaming-Dienste rausgesucht.

 

Burning – Südkorea (2019)

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Der 6. Spielfilm des südkoreanischen Regisseurs Lee Chang Dong beruht auf der Kurzgeschichte „Barn Burning“, des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami. Und wie die Erzählweise Murakami’s, ist auch die Handlung des Filmes nur schwer zu greifen.

Der Film beginnt als harmlose Liebesgeschichte. Jong Su (Yoo Ah In) ist ein etwas unbeholfener Mittzwanziger, der sich mit Teilzeit-Jobs durchschlägt aber insgeheim von einer Karriere als Schriftsteller träumt. Wie ein Zufall wirkt die Begegnung mit Hae Mi (Yun Jong Seo). Sie behauptet eine ehemalige Klassenkameradin zu sein, obwohl sich Jong Su nicht an sie erinnern kann. Sie gehen was trinken, landen in ihrer winzigen Wohnung und haben Sex. Kurz darauf verkündigt sie, für eine Zeit nach Afrika zu gehen, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Sie bittet Jong Su in ihrer Abwesenheit, ihre Katze zu füttern. Bei Hae Mi’s Rückkehr, hat sie den wohlhabenden und attraktiven Ben (Steven Yuen) im Schlepptau und es entspinnt sich ein mysteriöses Psycho-Drama.

Trotz fast zeitlupenhaften Tempo schafft es Regisseur Lee Chang Dong eine bedrohliche Spannung aufzubauen. Die komplexe Geschichte, dessen Erzählperspektive bis zum Ende offen bleibt, lässt seine Zuschauer*innen viel Raum für Interpretation.

Dabei ist Burning hinter der rätselhaften Dreiecksgeschichte, die wie eine vage Schwebe zwischen Realität und Traum erscheint, gleichzeitig ein kritisches Porträt der südkoreanischen Gegenwart.

Burning ist in Amazon Prime enthalten.

 

Asche ist reines weiß – China (2018)

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Asche ist reines Weiß ist eine intime Geschichte über Romantik, Verrat und Verlust. Der chinesische Filmemacher Jia Zhangke, erzählt eine komplexe sowie romantische Tragödie aus Chinas aufstrebender Gangsterklasse. Wie auch schon in seinen früheren Filmen, ist die Handlung vor der Kulisse radikaler, sozioökonomischer Veränderungen in China inszeniert.

Qiao (gespielt von Zhao Tao, der Frau und Muse von Regisseur Jia Zhangke), ist die Tochter eines Bergmanns aus dem nordchinesischen Shanxi. Zwischen verrauchten Spielhöllen, Straßengewalt und Schießereien bewegt sie sich als Freundin des Gangsters Bin. Bei einem Angriff verfeindeter Banden kommt es zu einem Schusswechsel und Qiao greift zur Waffe, um Bin zu schützen.

Treu ergeben nimmt sie die Schuld auf sich und verbüßt schließlich eine fünfjährige Haftstrafe. Doch ihre Loyalität wird nicht belohnt. Nach ihrer Entlassung reist sie quer durch das Land, nur um Bin in den Armen einer anderen Frau vorzufinden.

In den 5 Jahren hat sich nicht nur Bin verändert. Die alte Ordnung, die Qiaos Vater und die Kohleminen symbolisiert, ist dabei zu verschwinden. Stattdessen verkörpern jetzt Kraftwerke, Bahnhöfe und glänzende Hochhäuser Chinas neuen Fortschritt. Ohne ihre Selbstachtung zu verlieren, versucht Qiao sich in dieser veränderten Umgebung ein neues Leben aufzubauen.

In den letzten 20 Jahren, ist Jia Zhangke zu einem der bedeutendsten chinesischen Regisseure der Gegenwart geworden. Seine Filme thematisieren häufig, wie China sich den westlichen Kapitalismus mit seinen Nebenerscheinungen zu eigen macht. Doch in Asche ist reines Weiß, bietet Zhangke erstmals eine interessante und neue feministische Sichtweise.

Asche ist reines Weiß könnt ihr auf Amazon Prime ausleihen.

 

Little Big Women – Taiwan (2020)

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Der auf persönlichen Erlebnissen des Regisseurs Joseph Chen-Chieh Hsu beruhende Film Little Big Women erzählt die Geschichte einer taiwanesischen Familie. Die sture Matriarchin Lin Shaying (Chen Shu-Fang) bereitet sich auf die Feier ihres 70. Geburtstags vor, als ihr entfremdeter Ehemann, der seit 20 Jahren abwesend war, plötzlich stirbt.

Daraufhin plant Lin Shaying, die Beerdigung in Tainan, einer Stadt an der Südwestküste Taiwans, auszurichten. Gemeinsam mit ihren drei erwachsenen Töchtern, die alle selber mit persönlichen Krisen zu kämpfen haben, versammelt sich die Familie, für die aus dem Geburtstag gewordenen Beerdigungsvorbereitungen. Dabei kommen viele Geheimnisse aus der Vergangenheit ihres entfremdeten Vaters ans Licht.

Der Regisseur Joseph Chen-Chieh Hsu erzählt: „Das große Thema von Little Big Women ist der Prozess, mit den Dingen nach und nach seinen Frieden zu schließen. Und ich glaube, dass sich Menschen in aller Welt mit diesen Problemen rund um das Leben, den Tod, die Verbitterung und die Wut identifizieren können, denen wir immer wieder ausgesetzt sind.“

Schauspielerin Chen Shu-fang, wurde bei den 57. Golden Horse Awards 2020 als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Mit 81 Jahren ist sie damit die älteste Preisträgerin ist, die diese Auszeichnung in der Filmgeschichte Taiwans je erhalten hat.

Taiwans erfolgreichster Film des Jahres 2020 Little Big Women ist ab Februar 2021 auf Netflix zu sehen.

 

A sun – Taiwan (2019)

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 Von Kritikern wird das taiwanesische Familiendrama A Sun als einer der besten Filme des Jahres 2020 in gefeiert. Der Film wurde nun von Taiwan als Anwärter für die Sektion „Bester internationaler Spielfilm“ bei den Academy Awards benannt.

Der taiwanesische Regisseur Chung Mong-Hong, behandelt das schwierige Verhältnis zwischen einem Vater und seinen zwei Söhnen. A-Ho, der jüngere Sohn, war schon immer das Problemkind der Familie. Der Vater A-Wen setzt all seine Hoffnungen und Erwartungen in seinen introvertierten ältesten Sohn A-Hao. Als der jüngere Bruder auf die schiefe Bahn gerät, fordert der Vater gar vor Gericht eine besonders harte Strafe. Während A-Hao versucht, ein Medizinstudium aufzunehmen, muss A-Ho wegen eines Verbrechens, das er zusammen mit seinem besten Freund begangen hat, in den Jugendarrest. Während A-Ho seine Haftstrafe verbüßt, kommt es zu einer Tragödie, welche die Familie weiter auseinanderfallen lässt.

Regisseur Chung Mong-Hong gibt im einem Interview zu: „A Sun“ ist nicht wirklich ein freudvoller Film. Ich hoffe, dass die Zuschauer danach über die Gesellschaft oder die Familie nachdenken werden. Ich hoffe, die Zuschauer werden über das Leben und seine Frustrationen nachdenken. Eltern mögen ihren Kindern die Schuld geben und umgekehrt. Es gibt keine eindeutigen Antworten. Aber wenn wir zur Sonne aufblicken, sehen die Menschen Hoffnung. Und ich hoffe, dass die Menschen ihr Leben um sich herum betrachten, indem sie Freunde und Familie sehen und die Menschen besser verstehen, denn dieses Verständnis ist eine kostbare Sache.“

A Sun ist auf Netflix zu sehen

 

37seconds  – Japan (2019)

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Das Filmdebüt von Regisseurin Hikari blickt auf das Leben einer behinderten Person bei ihrer Suche nach Unabhängigkeit und dem Erwachsensein. In dem japanischen Drama 37 Seconds zieht eine Mutter ihre körperlich behinderte Tochter auf. Yuma (Mei Kayama, eine Schauspielerin mit Zerebralparese), ist an den Rollstuhl gefesselt, nachdem sie bei ihrer Geburt 37 Sekunden lang nicht geatmet hat.

Ihre alleinerziehende und überbehütende Mutter hat eine sichere Blase um die junge Frau errichtet. Dabei träumt sie davon als Manga-Künstlerin zu arbeiten. Von einer Manga-Herausgeberin bekommt sie gesagt, dass es ihren Geschichten an sexueller Authentizität mangelt. In Tokios Rotlichtviertel Kabukicho, versucht sie daraufhin ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Getrieben von dem Wunsch, die Gefahren und Freuden der Welt zu erleben, begibt sich Yuma schließlich auf eine Reise der Selbsterkenntnis.

Die wunderbare Darstellung von Mei Kayama machte 37 Seconds auf internationalen Filmfestivals zum Publikumsliebling. Eindringlich und voller Anmut spielt sie Yumas Transformation zu einer selbstbewussten jungen Frau. Regisseurin Hikari behandelt das Thema erfrischend realistisch und mit viel Respekt. Umso ergreifender macht Yumas Reise, dass die japanische Gesellschaft ungern über Menschen mit Behinderungen spricht. Im Interview mit Japandigest sagt die Regisseurin Hikari: „Meiner Meinung nach gibt es in Japan eine Grenze zwischen Menschen mit und ohne Handicap. Ich wollte diese ‘unsichtbare Mauer’ durchbrechen, indem ich das Wachstum von Yumas Geist auf wundervolle Weise filme.“

37 Second ist auf Netflix verfügbar

 

Better Days  – China (2019)

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Der Coming-of-Age Film Better Days ist, nach dem Oscar-Erfolg von Parasite im Jahr 2020, der wahrscheinlich erfolgreichste asiatische Film der letzten Jahre. Genreübergreifend zeichnet der chinesische Regisseurs Derek Kwok-Cheung Tsang, das Bild einer repressiven Gesellschaft in Gewand einer packenden, märchenhaften Liebesgeschichte. Gleichzeitig wird die dunkle Welt des Mobbings entlarvt und der gesellschaftliche Leistungsdruck, mit dem Chinas Jugend konfrontiert ist.

Inspiriert ist die Geschichte von dem chinesischen Jugendroman „In His Youth, In Her Beauty“ von Jiu Yuexi.  Die Handlung spielt rund um die nationalen College-Aufnahmeprüfung, in China Gaokao genannt. Während Millionen Schüler*innen sich auf die wichtigen Prüfungen vorbereiten ist Schülerin Chen Nian dem unerbitterlichen Mobbing ihrer Mitschülerinnen ausgesetzt. Zuvor hatte sich eine Mitschülerin öffentlich auf dem Schulhof das Leben genommen. Infolge der täglichen Mobbing-Attacken und Leistungsdrucks sah sie keinen anderen Ausweg. Nian hingegen, eindrucksvoll gespielt von Schaupielerin Zhou Dongyu, hat zusätzlich mit viel mehr zu kämpfen. Ihre Mutter, die sich mit illegalen Geschäften kaum über Wasser halten kann, wird von Schuldeneintreibern gesucht.

Eine schicksalshafte Begegnung bringt Nian mit dem Kleinkriminellen Xiao Bei zusammen. Eine zarte Romanze bahnt sich zwischen den beiden an, als sie mitten in eine Mordermittlung hineingezogen werden, die ihr Leben für immer verändern wird.

Ursprünglich sollte Better Days schon Anfang 2019 in die Kinos kommen und seine Weltpremiere auf der Berlinale 2019 feiern. Die realistischen Darstellungen von Gewalt, Suizid und sexuellen Übergriffen lösten jedoch bei den offiziellen Behörden in China Vorbehalte aus. Infolgedessen wurde die Veröffentlichung des Filmes mehrfach zurückgezogen. Schließlich lief Better Days Monate später an und konnte somit nicht auf vielen internationalen Filmfestivals 2019 gezeigt werden. Nichtsdestotrotz wurde Better Days ein internationaler Erfolg.

 

 

 

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