Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise

Tommy Fung, Duyi Han, Weng Cheng und Le Duc Hiep

Isolation, Social Distancing, Homeoffice, existenzielle Sorgen und ein Gefühl der Ohnmacht bestimmen den Alltag vieler Menschen seit Beginn der Pandemie. Wohin man auch blickt, die Welt scheint stillzustehen. Doch auch in solch ungewissen Zeiten macht die Not erfinderisch. Künstler aus der ganzen Welt haben die neu gewonnene Freizeit dazu genutzt, die Corona-Ausnahmesituation künstlerisch umzusetzen.

Wir haben uns auf dem größten Kontinent der Erde umgeschaut und ein paar asiatische Künstler ausgewählt, deren Corona-inspirierte Kunstwerke der Krise etwas Positives abgewinnen konnten.

Tommy Fung (Hongkong)

Die Auswirkungen der Pandemie auf unseren Alltag haben geradezu etwas Surreales. Das hat der in Hongkong lebende Künstler Tommy Fung meisterhaft eingefangen. Auf seinem Instagram-Account @surrealhk veröffentlicht der Künstler eine Reihe von Corona-inspirierten Kunstwerken.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
Meanwhile in Hong Kong ©surrealhk

Mit Hilfe von Photoshop zeigt Tommy Fung beispielsweise ein Bild, auf dem sich Menschenmassen auftürmen, um nach einer schützenden Atemmaske zu greifen. Auf einem anderen Bild läuft eine Frau in einer riesigen, aufblasbaren Kugel durch die Menschenmenge, um sich nicht zu infizieren.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
„The next level of protective gear and self isolation!“ ©surrealhk

In Zeiten der Pandemie nutzt Tommy Fung seine Kunst, um auf das Virus und seine Auswirkungen auf die Stadt und ihre Einwohner aufmerksam zu machen. Die Corona-inspirierten Werke tragen allesamt eine humorvolle Note und reihen sich damit nahtlos in die anderen Bildes des Künstlers ein. Diese setzen sich auf ironische Weise mit dem Alltag in Fung’s Heimatstadt Hongkong auseinander. Dabei scheut der asiatische Künstler trotzdem nicht davor zurück, die Aufmerksamkeit auch auf ökologische, soziale und sogar politische Probleme der Millionenmetropole zu lenken.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
„For your safety, stay away from the Hong Kong police!“ ©surrealhk

Seinen Instagram-Account rief Tommy Fung 2017 ins Leben. Heute hat er mehr als 340 Beiträge und über 80.000 Abonnenten, die den Künstler für seinen surrealen und gleichzeitig spielerischen Blick auf Hongkong schätzen.

Tommy Fung | Instagram: @surrealhk | Twitter: @surrealhk

Duyi Han (Shanghai/Los Angeles)

Die chinesische Provinz Hubei gilt als mutmaßlicher Ausgangspunkt der Corona-Pandemie. Hier hat Künstler, Designer und Creative Director Duyi Han eine historische christliche Kapelle in einen Ort der Würdigung verwandelt. Mit dem riesigen Mural The Saints wear White (zu Dt. Die Heiligen tragen weiß) schuf Duyi Han eine eindrucksvolle Hommage an die zahllosen medizinischen HelferInnen, die tagtäglich an vorderster Front gegen das Virus kämpfen. Zu diesem Zweck verzierte der chinesische Künstler die Wände der Kapelle mit Bildern von Ärzten und KrankenpflegerInnen, allesamt in weißen Schutzanzügen und mit Masken bekleidet.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
©duyi.han

In der Corona-Krise kämpfen Ärzte und Pflegepersonal nicht nur oft unzureichend ausgestattet gegen das Virus – sondern auch gegen Ausgrenzung und Anfeindungen. Während ihr Einsatz vielerorts beklatscht wird, müssen sie anderenorts fürchten, angegriffen zu werden. Aus Angst davor, dass sie das Virus weiterverbreiten.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
©duyi.han

Duyi Han | Webseite: www.duyihan.com | Instagram: @duyi.han

Weng Cheng (Wuhan/Seattle)

Illustratorin und Comiczeichnerin Weng Cheng widmet sich in ihren Werken normalerweise dem alltäglichen Stress des Familienlebens als Hausfrau und Mutter. Als die Corona-Pandemie in ihrem Geburtsort Wuhan seinen Lauf nahm, begann die Künstlerin Comics zur Krise zu zeichnen und auf dem chinesischen Messenger WeChat zu veröffentlichen. Seither gilt sie als eine der prominentesten Cartoon-ChronistinInnen der Corona-Pandemie. Mal humorvoll, mal bitterernst illustrieren ihre Comicstrips die Auswirkungen der Krise auf die Menschen und ihren Alltag.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
©messycow

Als chinesisch-amerikanische Künstlerin spiegelt die Arbeit von Weng Cheng eine besondere Perspektive wider. So illustriert sie sowohl den amerikanischen, als auch den chinesischen Alltag der Menschen, die sich in der Krise an ein gewisses Gefühl der Normalität zu klammern versuchen. Mal amüsiert sich die Künstlerin über das panische Horten von Toilettenpapier und mal macht sie deutlich, warum Gesichtsmasken in Asien schon lange vor Corona zum Alltag gehörten.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
©messycow (Official Instagram Account)

Lange hat man es im Westen belächelt, dass Asiaten häufig mit Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Auch als die Pandemie in Europa ankam, hieß es zunächst, Atemschutzmasken seien sinnlos und würden nicht vor einer Ansteckung schützen. Warum das Tragen von Gesichtsmasken ein eindrückliches Zeichen von Respekt und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft sein kann, illustriert Weng Cheng auf ihrem Instagram-Account @messycow. Der zählt übrigens über 30.000 Abonnenten.

Von der Pandemie inspiriert: Asiatische Künstler in der Corona-Krise
©messycow

Weng Cheng | Webseite: messycow.com | Instagram: @messycow

 

Le Duc Hiep (Vietnam)

Der vietnamesische Art Director und Designer Le Duc Hiep hat in seinem Heimatland ein populäres Werk entworfen, das im kriegstypischen Propagandastil zu mehr Einheit im Kampf gegen COVID-19 aufruft. Auf dem Plakat sind zwei Atemmasken tragende Mediziner zu sehen, die ihre Hände in die Höhe strecken. Über ihren Köpfen ist in breiter Schrift zu lesen: „Zu Hause bleiben heißt, sein Land zu lieben“.

Kreativ im Kampf gegen die Corona-Pandemie - Le Duc Hiep aus Vietnam
„Avoid gatherings to help fighting against Covid-19!“ | 
„To stay at home is to love your country!“ © Hiep Le Duc (http://hiepleduc.com)

Die Propaganda-Ästhetik, den nationalistischen Ton und die heroischenFiguren hat der Le Duc Hiep bewusst ausgewählt. Im Gespräch mit dem Guardian ließ er verlauten, dass er den Propagandastil wählte, weil er den Vietnamesen vertraut sei. Auch rufe dieser Stil immer patriotische Emotionen bei seinen Landsleuten hervor. Der Künstler entwarf das Plakat im März 2020, als die nationale Regierung die Menschen aufforderte, „Social Distancing“ zu praktizieren, um eine weitere Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen.

Künstler in der Corona-Krise | Le Duc Hiep aus Vietnam
„A big thank you to everyone who help fighting against the pandemic“ © Hiep Le Duc (http://hiepleduc.com)

Le Duc Hiep | Webseite: hiepleduc.com | Instagram: @hiepleduc

Künstler im Kampf gegen Corona – Die #GhenCovyChallenge aus Vietnam

Das Plakat von Le Duc Hiep ist nur eine von zahlreichen kreativen Formen, die in Vietnam entstanden sind, um der Pandemie den Kampf anzusagen. So hat das vietnamesische Institut für Gesundheit und Umwelt gemeinsam mit Popsängern ein Lied über das Händewaschen herausgebracht, das aufgrund seiner ansteckenden Melodie in kürzester Zeit viral ging. In dem Song Ghen Cô Vy geht es darum, seine Hände gründlich zu waschen, sich nicht ins Gesicht zu fassen und Menschenmassen zu vermeiden.

Der populäre Tänzer Quang Đăng hat sogar eine eigene Choreographie zu dem sogenannten HandWashing-Song erfunden. Diese teilte er in den sozialen Medien und rief zur sogenannten #GhenCovyChallenge auf. Auf TikTok haben sich Tausende Nachahmer gefunden und der Hashtag #GhenCoVyChallenge zählt mittlerweile über 21,5 Millionen Aufrufe auf der chinesischen Plattform.

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