Protest und Kunst gegen den Militärputsch in Myanmar
© Art for Freedom Myanmar

Wie Myanmars Kreative die Militärherrschaft mit Kunst bekämpfen

Burmesische Künstler*innen im Ausnahmezustand

In Myanmar kämpfen junge Kreative mit farbenfroher Protest-Kunst und einem rebellischen Geist gegen das Militärregime.

Seit dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 erhellen kurzweilig gespenstische Symbole des Protests die Straßen und Gebäudefassaden in der Haupstadt Yangon. Wo die nächsten Illuminationen erscheinen, bleibt ein Rätsel. Wie aus dem Nichts erscheint in einigen Nächten ein projiziertes Bild in der Dunkelheit. Es zeigt drei in rebellischer Pose erhobene Finger, eine Friedenstaube und das lächelnde Gesicht von Daw Aung San Suu Kyi, deren demokratisch gewählte Regierung durch den Armeeputsch gestürzt wurde.

Die mysteriösen Projektionen sind die Idee eines Filmemachers, der den Medien gegenüber anonym bleiben will. Zu groß die Angst vor dem Militär, das jeden verfolgt, der es wagt, sich ihm zu widersetzen.

Protest und Kunst gegen das Militärregime in Myanmar
© Art for Freedom Myanmar

Myanmars Künstler*innen im kreativen Kampf gegen den Militärputsch

Im Angesicht von Internetausfällen, starker Militärpräsenz und nächtlichen Verhaftungen nutzen asiatische Künstler*innen ihre Fähigkeiten, um die Botschaft der oppositionellen Bewegung des zivilen Ungehorsams, oder CDM, mit der Welt zu teilen. Bei den täglichen Protestkundgebungen herrscht oft eine Atmosphäre wie auf einem kulturellen Karneval. Graffiti-Künstler*innen verspotten mit Bildern und Botschaften die verantwortlichen Militärgeneräle des Putsches, Dichter*innen toben sich in wütenden Versen über die Zustände aus und Karikaturisten und Maler strecken auf ihren Märschen ihre Protestkunst in die Höhe.

Protestkunst in Myanmar
© Art for Freedom Myanmar

Die Militärführung versucht mit allen Mitteln die Protestbewegungen im Keim zu ersticken. Seit dem Putsch wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehrere Hundert Menschen eingesperrt. Das neue Regime hat die bürgerlichen Freiheiten der Menschen in Myanmar drastisch eingeschränkt und führt seine lange Geschichte der gewaltsamen Unterdrückung abweichender Meinungen fort.

Kunst und Protest in Myanmar

Doch die Waffen der Diktatur haben die vielen friedlichen Demonstranten nicht davon abhalten können, ihre Meinung zu äußern. Viele haben sich auf humorvolle Memes und farbenfrohe Protestkunst konzentriert. Auch haben viele Kreative ihr Engagement online gestellt. So bieten beispielsweise Künstler-Kollektive ihre Entwürfe im Netz zum kostenlosen Download herunter. Darunter sind Schilder, Aufkleber oder T-Shirts.

Künstlerkollektiv im Kampf gegen das Militärregime in Myanmar
© Art for Freedom Myanmar

Auf der Webseite Art for Freedom (Myanmar) werden Hunderte Protestkunstwerke gezeigt. Viele Grafiken sind in Rot gehalten, der Farbe von Aung San Suu Kyis Partei. Andere zeigen burmesische Menschen, die auf Töpfe und Pfannen schlagen – traditionell ein Weg, den Teufel zu vertreiben – als lautstarken Protest gegen den Coup.

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Myanmars junge Künstler*innen und Kreative haben sich in ihrem Widerstand von anderen regionalen Protestbewegungen inspirieren lassen. Während der anhaltenden Proteste in Hongkong belebten junge Demonstrant*innen ihre Kundgebungen mit niedlichen Cartoons und bunten Wänden aus Haftnotizen, die an die sogenannte Lennon-Mauer in Prag erinnerten. Motiviert durch eine frühere Inkarnation des Widerstands, popularisierten die Hongkonger Demonstrant*innen den Einsatz des gelben Regenschirms gegen Wasserwerfer und machten ihn zu einem mächtigen Meme.

Der Drei-Finger-Gruß als Ikone des Widerstands gegen die Unterdrückung

Noch vor Myanmar hat die Hongkonger Demokratiebewegung die pro-demokratischen Demonstranten in Thailand beflügelt. Diese veranstalteten im letzten Jahr monatelange Massenkundgebungen gegen das thailändische Königshaus und ihren Premierminister. Die thailändischen Demonstrant*innen setzten beispielsweise aufblasbare Gummientenflöße ein, um Wasserwerfer abzuwehren. Sie popularisierten auch den Gebrauch des „The Hunger Games“- Drei-Finger-Grußes. Dieser ist nun das Leitmotiv der Kundgebungen in Myanmar, zusammen mit Schildern in englischer Sprache, um internationale Aufmerksamkeit zu erregen und die Machtübernahme durch das Militär anzuprangern.

Der Drei-Finger-Gruß ist zum Symbol des Widerstands in Asien geworden
© Art for Freedom Myanmar

„Wir haben uns alle im Widerstand gegen Unterdrückung zusammengeschlossen.“

„In der Region gibt es einen Kampf für Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit“, sagt U Aye Ko, ein Maler in Myanmar in einem Interview mit der New York Times. „Die Bewegung geht über einzelne Nationen hinaus. Wir haben uns alle im Widerstand gegen Unterdrückung zusammengeschlossen.“

Der Drei-Finger-Gruß ist zum Symbol des Widerstands in Asien geworden

Protest und Kunst gegen das Militärregime in Myanmar

Kreativer Protest gegen den Militärputsch in Myanmar

Kunst im Kampf gegen das Militär in Myanmar

Kreativer Protest gegen den Militärputsch in Myanmar
All pictures are courtesy of © Art for Freedom Myanmar
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