Wuhan - Solidarität und Zusammenhalt im Corona-Ausnahmezustand
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Hoffnung und Zusammenhalt im Corona-Ausnahmezustand

Wie die Bewohner von Wuhan sich gegenseitig unterstützen und solidarisieren

Seit Ende Januar sitzen die Bewohner der Millionenstadt Wuhan in ihren Häusern fest. Die Regierung hat die Stadt unter Quarantäne gestellt, seitdem herrscht der Ausnahmezustand. Doch die Menschen trotzen der Notsituation mit zahlreichen Formen der Solidarität. Auch haben sie Wege gefunden, der Langeweile zu entkommen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Das neuartige Coronavirus hält derzeit die Welt in Atem. In der Provinz Hubei wurden Städte mit einer Gesamtbevölkerung von mehr als 60 Millionen Menschen quasi abgeriegelt. Allen voran die Stadt Wuhan – sie ist das Epizentrum des Virus. Hier tauchte es erstmals auf und seitdem herrscht Ausnahmezustand. Seit dem 23. Januar 2020 steht die Stadt unter Quarantäne. Der Verkehr ist weitgehend stillgelegt, Straßenzüge leergefegt und beinahe alle öffentlichen Aktivitäten eingestellt. Die traditionellen Neujahrsferien wurden verlängert und es fahren weder Busse noch Bahnen. Die Bewohner der Stadt wurden angewiesen, ihre Häuser so wenig wie möglich zu verlassen, um die weitere Verbreitung weiter einzudämmen.

Die Furcht vor dem Virus hat das Alltagsleben der Einwohner drastisch verändert. Man trägt Atemschutzmasken, viele bleiben zuhause und in einigen Supermärkten werden die ersten Lebensmittel knapp. Zahlreichen Medienberichten zufolge sind die Krankenhäuser rund um Wuhan überfüllt und die Hilfskräfte überfordert. Viele Chinesen zweifeln am Krisenmanagement ihrer Regierung.

Corona-Ausnahmezustand in Wuhan
Die Millionenstadt Wuhan (chinesisch: 武汉市) im Oktober 2019 © Flickr: xiquinhosilva (CC BY 2.0)

Li Wenliang – Ein Augenarzt aus Wuhan wird online zum „Märtyrer“ der Epidemie

Der Tod des “Whistleblowers” und Arztes Li Wenliang hat das Misstrauen gegenüber dem Regime nur weiter befeuert. Der Augenarzt aus Wuhan hatte bereits Ende Dezember in einem Chat mit Kollegen auf das zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Virus aufmerksam gemacht. Von der Polizei wurde Li direkt danach verhört und zum Schweigen angewiesen. Der 34-Jährige erkrankte kurze Zeit später an einer durch den Coronavirus ausgelösten Lungenentzündung und verstarb am 07. Februar 2020.

Für viele Chinesen ist der junge Mann zum tragischen Helden und Märtyrer der Epidemie geworden. In den sozialen Medien brachten Millionen ihre Trauer und Wut über seinen Tod zum Ausdruck. Gleichzeitig mehrten sich die Rufe nach Presse- und Meinungsfreiheit.

Der kollektiven Trauer und Wut begegnet die Zentralregierung mit Zensur und Kontrolle. Hashtags und Kritik auf sozialen Netzwerken werden gelöscht, Aktivisten zum Schweigen gebracht. Doch allen autoritären Maßnahmen und aller Zensur zum Trotz lassen sich die Chinesen nicht unterkriegen. Weder in ihren Rufen nach mehr Meinungsfreiheit, noch in ihrem Glauben, dass das Land die Epidemie überstehen kann. Obwohl die Lebensumstände schwierig sind, gehen die Menschen gefasst mit ihrem Schicksal um.

„Wuhan, du schaffst das!“ – Solidarität und Zusammenhalt im Ausnahmezustand

Die Notsituation hat zahlreiche Formen der Solidarität und des Zusammenhalts entstehen lassen. Auf Weibo und dem chinesischen Messenger WeChat kursieren Videos von Menschen, die in der Dämmerung von Balkonen und aus Fenstern Gesänge anstimmen. Rufe wie “武汉, 加油” (engl. “Wuhan, come on!”) etc. sind zwischen den Hochhausschluchten zu hören.

Chinesische Stars zollen Helfern und Ärzten Tribut

Das chinesische Streaming-Netzwerk iQIYI hat verschiedene Musikvideos veröffentlicht, in denen nationale Stars den zahlreichen Helfern Mut und Solidarität ausspricht. Die Videos mit dem Titel “Let the world be full of love” beinhalten Gesänge und Botschaften von bekannten chinesischen Künstlern wie Rapper Kris Wu, Schauspielerin Yang Mi, Regisseur Feng Xiaogang und vielen anderen. Sie sind in erster Linie ein Tribut an die zahlreichen Ärzte und Krankenhaushelfer, die in Wuhan derzeit an vorderster Front gegen das Virus kämpfen.

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Hilfe und Unterstützung im Netz

Das Internet – allen voran die sozialen Netzwerke – sind in China zu einem Ort geworden, an dem Menschen ihre Sorgen teilen, Unterstützung anbieten und sich gegenseitig Mut aussprechen. Zahlreiche Nutzer haben Online-Plattformen ins Leben gerufen. Dort kann man zum Beispiel Atemmasken und dringend gebrauchte Gegenstände spenden, Hilfeleistungen anbieten oder Gesundheitstipps austauschen. Auch Ärzte aus anderen Regionen nutzen das Netz, um besorgten Bürgern kostenlose Online-Konsultationen anzubieten.

Freiwillige retten verlassene Haustiere vor dem Hungertod

Wie die South China Morning Post berichtet, kämpfen über 10 unterschiedliche Tierschutzgruppen um das Leben von ca. 50.000 verlassenen Haustieren. Schätzungsweise 5 Millionen Menschen haben Wuhan vor dem 23. Januar verlassen und kommen nun nicht mehr in die abgeriegelte Stadt rein. Katzen, Hunde und andere Haustiere hungern seither in leer stehenden Wohnungen. Verzweifelte Besitzer haben sich im Netz an die Tierschützer gewandt, um die verwaisten Tiere mit Futter und Wasser zu versorgen. 

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Kreativität und innovative Ideen, um der Langeweile zu entfliehen

Weil das kulturelle und öffentliche Leben in Wuhan erloschen ist und die Menschen seit Wochen in ihren Wohnungen festsitzen, ist das Internet für viele Chinesen der einzige Kontakt zur Außenwelt. Auf Weibo, Twitter und anderen sozialen Netzwerken posten Millionen von Nutzer Memes und innovative Ideen, um der Langeweile zu entfliehen. 

Dass die Vorräte an Atemschutzmasken und Schutzanzügen immer knapper werden, hat einige Menschen auf kreative Alternativideen gebracht. Auch wenn Ganzkörperkostüme und Masken aus BH’s und Orangen keineswegs vor einer möglichen Ansteckung helfen, so vermögen sie dem einen oder anderen sicherlich zum Lachen zu bringen.

Das neuartige Coronavirus – Über 75.000 Infektionen und 2.000 Tote

Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus Covid-19 hat in China mittlerweile 75.000 überstiegen. Bisher sind dem Virus über 2.000 Menschen zum Opfer gefallen (Stand: 19.02.2020) Besonders schwer ist  die 60 Millionen Einwohner zählende Provinz Hubei mit der Metropole Wuhan betroffen.

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