Streetart aus Taiwan - Mr. OGAY
© Mr.OGAY
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Mr. OGAY – Wer bestimmt eigentlich was hässlich ist?

Streetart aus Taiwan

 Wer an Streetart in Taiwan denkt, der kommt nicht an Mr. OGAY vorbei. Er gehört zu den einflussreichsten und angesehensten Künstlern der Szene. Mit seinem legendären Character A-Puî – einem nackten und übergewichtigen Mann – will der Künstler die Gesellschaft dazu anregen, ihre Definition von Schönheit und Hässlichkeit zu überdenken. Im Interview mit xPlicitAsia spricht Mr. OGAY über seinen Character, Inspiration und über seine taiwanesische Identität.

„Hässlichkeit“ ist ein zentrales Motiv in den Werken von Mr. OGAY. Der Künstler, dessen Name sich auf Chinesisch mit „Mr. Black Chicken“ übersetzen lässt, war schon als Kind darauf bedacht, seine Lehrer und Eltern mit vermeintlich „hässlichen“ Malereien zu provozieren. Geboren in Taipeh, zeichnete er lieber, als die Schulbank zu drücken und studierte später gegen den Willen seiner Eltern Kunst. Sein unkonventioneller Character A-Puî ist heute über die Grenzen Taiwans bekannt und verwandelt Straßenschilder, Stromkästen und Häuserwände zu Projektionsflächen kritischer und zugleich humorvoller Kunstdarstellungen.

Was hat dich dazu inspiriert, Künstler zu werden und wie würdest du deinen persönlichen Style beschreiben?

In meiner Unizeit war ich konstant pleite und habe aus der Not heraus angefangen, kleine Aufträge anzunehmen. So zum Beispiel das Bemalen von Wänden oder das Designen von T-Shirts. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich von meiner Kunst eigentlich ganz gut leben kann. Das zu tun, was du liebst und dafür auch noch bezahlt werden... Was willst du mehr? Am Ende meines Studiums hab ich dann auch mit den ersten kleinen Ausstellungen angefangen und versucht, mir einen Namen in der Szene zu machen.

Mein Style und meine Figuren basieren auf Charakteren aus traditionellen, chinesischen Kartenspielen. Ob Canvas oder Hauswand… Meine Figuren tauchen einfach aus dem Nichts auf. Noch dazu sind sie nackt, so dass man sich entweder empört oder sie liebt.

Dein Markenzeichen ist der “naked ugly man” – eine Cartoonfigur, die meist nackt, bisschen mollig, selbstparodistisch und sehr humorvoll ist. Was hat dich zu dieser Figur inspiriert und welche Bedeutung hat “Hässlichkeit” für dich?

Ich denke, ich war schon als Kind ein kleiner Rebell, der immer alles anders machen musste, als die anderen. So haben meine Klassenkameraden im Kunstunterricht immer versucht, möglichst schön zu malen. Ich hingegen hab jedes Mal die hässlichsten Dinge auf Papier gebracht. Für mich ist “Hässlichkeit” in gewisser Weise einfach beeindruckender als “Schönheit”. Nehmen wir zum Beispiel einen Film. Später erinnern sich doch die Wenigsten daran, wie gut die Protagonisten ausgesehen haben, aber die schlimmen und hässlichen Schurken bleiben immer im Gedächtnis hängen.

Aus diesem Gedanken heraus, hab ich mich näher mit dem Begriff “hässlich” auseinandergesetzt. Wann werden Menschen als hässlich empfunden und was betrachtet unsere Gesellschaft als hässlich? Zum Beispiel Kahlheit, Fettleibigkeit, Körperflüssigkeiten, Nacktheit etc. etc. Aus all diesen vermeintlich “hässlichen” Eigenschaften habe ich meinen Character erschaffen. Ich nenne ihn den “fetten Mann” (chinesisch: A-puî). A-puî repräsentiert einen kleinen Mann, der dem Hedonismus im Zeitalter der Bequemlichkeit frönt. Zwar ist das Leben langweilig, aber A-puî strebt trotzdem nach Glück und Genuss.

Mit den Mitteln der Kunst möchte ich das “Unansehnliche” und das “Abstoßende” offenlegen. Wenn Menschen meine Bilder betrachten, dann sollen sie darüber nachdenken, was sie als hässlich und was als schön betrachten. Wo sind die Grenzen zwischen Schönheit und Hässlichkeit?

Streetart aus Taiwan - Mr. OGAY

A-puî kann offensichtlich als Kritik an der taiwanesischen Gesellschaft angesehen werden. Wie wird deine Kunst in Taiwan allgemein aufgenommen?

Das ist ganz interessant, denn die Reaktionen auf meine Werke sind sehr gespalten. Kurz gesagt: Entweder du hasst es oder du liebst es. Die Leute, die es hassen, sind in Taiwan definitiv in der Überzahl (lacht). Besonders häufig werden meine Bilder als “abstoßend” und “super hässlich” bezeichnet. Dass sie in der Regel nackt sind, empört natürlich noch mehr. Ich habe schon häufiger gesagt bekommen, dass Menschen meine Werke am Abend gesehen haben und daraufhin nicht mehr schlafen konnten oder dass älteren Leuten für ein paar Tage der Appetit vergangen ist. Dennoch gibt es natürlich auch noch viele Leute, die meine Arbeit feiern. Ich kann nur sagen: Für mich gleicht meine Kreativität einem sozialen Experiment. Ältere Menschen reagieren natürlich anders auf meine Malereien als die Jungen und das hilft mir dabei, die Ansichten und Gedanken meiner Umgebung besser zu verstehen und inspiriert mich zu neuen Projekten.

Gibt es eine Art Botschaft, die du mit deiner Kunst vermitteln möchtest?

Ja wie bereits erwähnt betrachte ich die Kunst mitunter auch als soziales Experiment. Am Anfang habe ich mich intensiv mit den Themen “Hässlichkeit” und “Schönheit” auseinandergesetzt und jetzt erforsche ich die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Gesellschaft, aber auch zwischen Institutionen und Individuen. Für mich ist es wichtig, in dieser scheinbar binären Opposition eine dritte Ebene herauszufiltern. In meiner Kunst gibt es kein Schwarz und Weiß, kein Richtig und Falsch. Meine Bilder sollen die Menschen eher zum Nachdenken anregen. Wenn du meine Kunst anschaust, dann solltest du sie im besten Fall hinterfragen, über sie nachdenken und mit deinen eigenen Lebenserfahrungen und Werten in Einklang bringen.

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Du bist in Taiwan geboren und aufgewachsen. Inwiefern beeinflussen Taiwan und die taiwanesische Kultur deine Kunst und Kreativität?

Taiwan ist eine multikulturelle Insel. Bedingt durch die Kolonialisierung ab dem späten 16. Jahrhundert haben unterschiedliche Einflüsse aus verschiedenen Ländern und Kulturen hier ihre Spuren hinterlassen. Gerade diese Mischung ist, was das moderne Taiwan von heute ausmacht. Die Beziehungen zu China sind allerdings schwierig. Der chinesische Einfluss ist schon in der Grundschule zu spüren, wo man gezielt daran arbeitet, die einheimische Kultur in den Hintergrund zu drängen und stattdessen ein Loblied auf die chinesische Kultur zu singen. Daraus resultiert natürlich, dass viele Taiwanesen sich als Teil der Volksrepublik China sehen. Auch ich habe mich erst im Erwachsenenalter mit meinen kulturellen Wurzeln und meiner taiwanesischen Identität auseinandergesetzt. Ich möchte nicht sagen, dass die chinesische Kultur per se schlecht ist. Sie ist selbstverständlich ein Teil von uns, aber in meiner Kreativität und Kunst versuche ich mich verstärkt mit den Werten und Erfahrungen auseinanderzusetzen, die für mich die taiwanesische Identität ausmachen.

Was kannst du uns über die Kreativszene in Taiwan sagen und wie steht die Gesellschaft zu Streetart und Graffiti?

In Taiwan betrachtet die Gesellschaft Streetart und Graffiti noch immer mit skeptischen Augen. Graffiti wird zum Beispiel per se als “Beschmutzung des öffentlichen Raums” angesehen. Hingegen gibt es einen Trend zu neuen, großflächigen Wandmalereien. Ich betrachte diese als langweilig. Sie haben keinen eigenen Stil und sind meist nur Plagiate. Klar, damit verdient man Geld und die breite Masse kann sich damit identifizieren (Wer mag denn nicht süße Spongebob Schwammkopf und Winnie Pooh Bilder?), aber Street Art hat den Anspruch, Kunst zu schaffen, die einzigartig und authentisch ist. Es bedarf viel harter Arbeit, um sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen. Hinzu kommen die Probleme mit dem Staat, der Graffiti-Künstler einerseits strafrechtlich verfolgt und andererseits dafür ausnutzt, Werbereklamen und Kampagnen zu gestalten.

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Gibt es Künstler – egal aus welchem Bereich -, die dich in deiner Kreativität inspiriert haben?

Ja, als ich jung war, gefielen mir die Bilder von Cantwo (Anm. der Red. einer der ältesten und einflussreichsten Graffiti-Künstler Deutschlands). Zu dieser Zeit hab ich dann auch meine ersten Bilder im Wild Style-Stil gemacht (Anm. der Redaktion: Wild Style ist ein technisch aufwendiger Graffiti-Stil mit meist verschlungenen und farbigen Buchstaben). Später begann ich mich für kräftige Farben zu interessieren. Weil mir mein Wild Style nicht gut gefiel, habe ich mich nach dem Vorbild von u.a. Garybaseman (US-amerikanischer Cartoonist, Künstler und Illustrator), Os Gemeos (Künstler-Duo aus Brasilien) und Miss Van (Französische Streetart -Künstlerin) mehr und mehr für das Zeichnen von Characters interessiert. Auch durch viele taiwanesische Artists habe ich eine Menge verschiedener Stilrichtungen und Techniken erlernt. So zum Beispiel durch meinen Mentor und Freund Li Jiun-Yang. Er hat meine Kreativität maßgeblich geprägt, mit mir Ideen entwickelt und mir beigebracht, die kreative Energie Taiwans zu spüren und in meine Werke mit einfließen zu lassen.

Was kommt künftig auf dich zu? Irgendwelche Projekte, die du mit uns teilen möchtest?

Neben meinem Dauereinsatz als Papa plane ich derzeit eine Einzelausstellung. Mit einigen Brands bin ich am Verhandeln über mögliche Kooperationen. Grundsätzlich bin ich lustigen Zusammenarbeiten und Angeboten gegenüber sehr offen. Natürlich hoffe ich, dass ich in Zukunft auch für Ausstellungen in andere Länder reisen kann. Ich liebe es, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam über meine Werke lachen können.

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Zu guter Letzt würden wir uns freuen, wenn du uns noch ein paar kurze Fragen beantworten würdest:

Dein Lieblingsort in Taiwan?
Tainan, 4ever

Dein taiwanesisches Lieblingsessen?
Stinky Tofu, Shacha Hot Pot und Rindernudeln

Deine Lieblingscrew?
Run DMC

Dein Lieblingsfilm?
Dead Alive aka Braindead

Kannst du uns ein paar aufstrebende taiwanesische Streetart Künstler nennen, die wir auschecken sollten?
Candy Bird, Debe, Colasa, Seazk

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Mr. OGAY
Webseite: www.mrogay.com
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