Reggae und Dancehall in Japan

Reggae und Dancehall in Japan

Das Inselreich Japan gehört bestimmt nicht zu den ersten Nationen, die man auf den ersten Blick mit der jamaikanischen Dancehall-Kultur in Verbindung bringt. Ungeachtet der internationalen Aufmerksamkeit hat sich in Japan aber längst eine florierende Dancehall-Szene entwickelt.

Heimische Soundsystems wie Mighty Crown füllen regelmäßig ausverkaufte Stadien, Festivals wie das One Love Jamaica ziehen über 40.000 Besucher in ihren Bann und im ganzen Land studieren junge JapanerInnen die Moves und Styles ihrer jamaikanischen Vorbilder.

Dancehall in Japan
Bose – Seen Unseen Vol. 1 – Dancehall in Japan

Die Videoserie Scene Unseen von Bose widmet sich der Dancehall-Szene in Japan und zeigt, was junge JapanerInnen so an der jamaikanischen Kultur fasziniert.

Um Japan’s Affinität zum Dancehall zu verstehen, muss man die Entwicklung allerdings auf Dancehall’s musikalischen Ursprung, den Reggae zurückführen.

Reggae in Japan – Die Anfänge

Japans Liebesbeziehung mit Reggae reicht bis in die frühen 1970er Jahre zurück, als der Kinofilm The Harder They Come 1972 seinen internationalen Durchbruch feierte. Das wütende Gangster-Epos mit Sänger Jimmy Cliff in der Hauptrolle legte den ersten Grundstein für Japans Interesse an Genres wie Roots Reggae, Dub und Lovers Rock. Spätestens als Reggae-Legende Bob Marley 1979 das erste Mal in Japan auftrat, begeisterten sich immer mehr Menschen für die jamaikanische Musikkultur. In den späten 80er und frühen 1990er Jahren folgten immer mehr jamaikanische Acts dem Vorbild von Bob Marley und stiegen zu internationalem Ruhm auf. Das inspirierte zahlreiche JapanerInnen dazu, in das Musikgenre einzutauchen und seine Entstehungsgeschichte zu studieren. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Soundsystems Japans und japanische Artists wie Rankin Taxi und DJ Nahki begeisterten immer mehr Landsleute für das karibische Musikgenre.

Reggae in Japan
Bose Seen Unseen Vol. 1 – Dancehall in Japan

Nach dem Vorbild von Jamaika’s legendärem Reggae Splash, wurde 1985 auch das erste Reggae-Festival Japans ins Leben gerufen – Japansplash. Ein breites Spektrum an Künstlern reiste für das Event ins Land der aufgehenden Sonne und mit den Artists wuchs auch das Bewusstsein für die jamaikanische Musikbewegung.

Als zu Beginn der 1980er Jahre das neue Genre Dancehall auftaucht und Jamaika flächendeckend überrollt, tritt der klassische Roots Reggae immer weiter in den Hintergrund. Auch in Japan hat Dancehall den traditionellen Reggae weitgehend verdrängt und junge Menschen im ganzen Land begeistern sich zunehmend für das digital produzierte Musikgenre.

Dancehall in Japan - Bose Seen Unseen
Bose Seen Unseen Vol.1 – Dancehall in Japan

Mighty Crown – Die Dancehall-Pioniere Japans

Mehr als zwanzig Jahre nach Japans ersten Berührungspunkten mit jamaikanischer Musik, sorgt ausgerechnet ein japanisches Soundsystem für Furore in der internationalen Dancehall-Szene.

Das Mighty Crown Soundsystem – bestehend aus den Brüdern Masta Simon und Sami T, sowie Ninja und Cojie aus Yokohama – gewann als erstes nicht-jamaikanisches Soundsystem den berüchtigten Irish and Chin’s World Clash in Brookyln. Dieser angesehene Titel legte den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere Mighty Crowns, die auch als “The Far East Rulaz” bekannt sind. Das Soundsystem aus Yokohama gehört heute zu den kommerziell erfolgreichsten Sounds der Branche, betreibt ein eigenes Musiklabel und zieht regelmäßig lukrative Deals mit Unternehmen wie Nike, New Era und Stussy an Land.

Auch die Japanerin Junko Kudo zog weltweit Aufmerksamkeit auf sich, als sie 2002 als erste Nicht-Jamaikerin den Dancehall Queen- Wettbewerb im jamaikanischen Montego Bay für sich entschied. Ähnlich wie Mighty Crown gab Junko aufstrebenden japanischen Dancehall- und Reggaekünstlern das nötige Selbstvertrauen, selbst in die Szene einzutauchen und sich erfolgreich zu vermarkten.

Dancehall in Japan – So beliebt wie nie zuvor

Heute gibt es unzählige weitere Acts, die sich in den den Genres Dancehall und Reggae einen Namen gemacht haben. Darunter u.a. die Sängerin Pushim, Rankin Pumpkin, Papa U-Gee, Ryo The Skywalker, Rankin Taxi, MinMi, Fire Ball, Dozan 11, Home Grown Band, Shonan, No Kaze, Moomin, Munehiro und unzählige andere.

Bose Seen Unseen Vol. 1 – Dancehall in Japan

Die Dancehall-Kultur ist in Japan mittlerweile so weit verbreitet, dass es über 300 (!) Soundsystems im Land gibt. Clubs in Tokyo, Yokohama und Osaka hosten regelmäßig Dancehall-Events und in Workshops und Kursen können junge JapanerInnen lernen, wie man zu den pulsierenden Beats des Genre tanzt. Unabhängig davon, wie sich die Subkultur in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist es klar, dass die Musik Jamaikas einen immensen Einfluss auf Japan genommen hat. Lange schon hat sich zwischen den beiden Inselstaaten Japan und Jamaica ein Art “kultureller Highway“ entwickelt, der konstant Artists, Fans, Musik, Dubplates, Streetwear und Ideen austauscht.

Für detaillierte Informationen zur Reggae- und Dancehall-Szene in Japan können wir euch die Forschungsarbeiten von Marvin D . Sterling empfehlen. Der renommierte Anthropologe (Indiana Universität Bloomington) forscht seit Jahren zu dem Thema Subkulturen in Japan. 2010 veröffentlichte er das Buch Babylon East: Performing Dancehall, Roots Reggae and Rastafari in Japan (Duke University Press). Ein ausführliches Interview mit M. Sterling findet ihr auf Afropop Wordwide.

 

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