The Rolls of Dice - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Rolls of Dice © Kazunori Nagashima
The Rolls of Dice - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Rolls of Dice © Kazunori Nagashima
Soliloquy - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
Soliloquy © Kazunori Nagashima
Soliloquy - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
Soliloquy - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
Soliloquy © Kazunori Nagashima
Night in Cherry Red - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
Night in Cherry Red © Kazunori Nagashima
Night in Cherry Red - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
Night in Cherry Red © Kazunori Nagashima
People from all over the World - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
People from all over the World - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
People from all over the World © Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions © Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions © Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions © Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions © Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
The Surface of Dimensions © Kazunori Nagashima
Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima
© Kazunori Nagashima
Japanischer Fotograf - Interview
This New Moon Phase © Kazunori Nagashima

Auf der Suche nach Identität – Interview mit Kazunori Nagashima

Die Anerkennung des Selbst und Anderer ist ein zentrales Konzept in den Bildern des japanischen Fotografen Kazunori Nagashima. Der Künstler, der mehrfach für seine Werke ausgezeichnet wurde, hat erst mit 29 Jahren sein erstes Bild gemacht. Im Interview mit xPlicitAsia spricht er über seine Fotos, den Einfluss des Theaters auf seine Kunst und über Fotografie als Kunstform.

Kazunori Nagashima ist in der Bay Area von Yokohama geboren und aufgewachsen. Nach seinem Linguistik-Studium arbeitete er zunächst als Fremdsprachenlehrer in Kuching (Malaysia) und kehrte später in seine Heimat zurück, um eine Stelle am traditionellen Kabuki-za Theater in Tokyo anzunehmen. Erst 2004 beginnt der Japaner, sich näher mit dem Handwerk der Fotografie zu beschäftigen. Mit Erfolg, denn seine Werke werden Jahre später u.a. auf internationalen Fotografie Wettbewerben ausgezeichnet. In Tokyo darf der Künstler seine Bilder 2018 sogar in der Sony Imaging Gallery ausstellen.

Seine Kunst umschreibt Nagashima mit folgenden Worten: “Sitzen zwei Freunde gemeinsam in einem Café, dann haben sie später vielleicht unterschiedliche Erinnerungen von den Bildern, die an der Wand hingen. Wandern ein Reisender aus dem Osten und ein Reisender aus dem Westen den gleichen Pfad entlang, dann haben sie mitunter ein unterschiedliches Bild von der Landschaft, die sie umgibt. Auch wenn diese Unterschiede nur subtil sein mögen.. Ich denke, dass das Erkennen und Missverstehen von Unterschieden das Leben auf dieser Welt erschwert. Daher setze ich einen so großen Wert auf die Anerkennung des Selbst und Anderer”.

Nagashima liebt es, Gefühle, Stimmungen und Überzeugungen von Menschen und Dingen auf seinen Bildern festzuhalten. Mit kindlichem oder jugendlichem Verhalten kann der Künstler wenig anfangen. Erst wenn ein junger Mensch ins Erwachsenenalter und damit auch in die Gesellschaft eintritt, verfeinern sich seine Absichten, seine Einstellung und seine Charakterzüge und für Nagashima vermag die Fotografie, dies abzubilden.

Wie bist zu zur Fotografie gekommen und wie hast du begonnen, als Fotograf zu arbeiten?

Ehrlich gesagt hab ich mich nie wirklich für die Fotografie interessiert.und dementsprechend hätte ich natürlich auch nie gedacht, dass ich jemals Fotograf werden würde. Als ich aber als Bühnenschreiner im Kabuki-za (Japans traditionellstes Theater) arbeitete, schoss der weltberühmte Fotograf Kishin Shinoyama manchmal Bilder von Kabuki-Schauspielern. Irgendwann beschloss Shinoyama, ein Fotobuch zu machen, für das auch die Bühnencrew abgelichtet werden sollte. Ich habe seine Arbeit im Detail verfolgt und auch von mir machte er natürlich ein Bild. Ich war begeistert. Nicht nur von seiner Arbeitsweise und von seiner Einstellung zur Fotografie, sondern auch von den Bildern, die später im besagten Fotoband erschienen.

Gleich danach kaufte ich mir eine Pentax 645 (vielleicht eine Nummer zu groß für einen Anfänger wie mich) und begann, Fotografie als eine Kunstform zu erlernen. Man kann es sich kaum vorstellen. Wenn ich recht erinnere, dann war das im September 2000. Ich war damals 29 Jahre alt und hatte noch nie einen Schnappschuss mit einer Kamera gemacht.People from all over the World - Japanischer Fotograf Kazunori Nagashima

Was fasziniert dich an der Fotografie und wie würdest du deinen persönlichen Stil beschreiben?

Anders wie moderne Kunst ist Fotografie für mich nicht gleich eine “Bildende Kunst”. Mit der Fotografie bin ich in ständiger Bewegung. Sie ist für mich das geeignetste Medium, um meine Ideen zu verkörpern und zum Ausdruck zu bringen. Fotos zu machen ist wie “rohe Energie” für mich, die Leidenschaft am Fotografieren erfüllt mich. Die Philosophie dahinter ist ähnlich wie bei der Architektur. Die Komposition ist wie die Sequenz eines traditionellen Gartens und ein komplettes Werk dient dazu, auch unsichtbare Dinge und Gefühle zu vermitteln. Professionelle Kritiker versuchen häufig, moderne Kunst und Fotografie zu analysieren und zu deuten, aber wie ihr wisst, existiert die Fotografie an sich erst seit ca. 100 Jahren. Ich distanziere mich von solchen Kritiken. Ich schwimme quasi auf dem Meer der absoluten Freiheit und das macht meine Fotografie aus.Japanischer Fotograf - Interview mit Kazunori Nagashima

Du hast als Bühnenschreiner in Japans traditionellstem Kabuki-Theater – dem Kabuki-za in Tokyo – gearbeitet. Inwiefern hat diese Arbeit deine Kreativität und deinen künstlerischen Prozess geprägt?

Auf der Bühne des Kabuki-za Theaters werden viele verschiedene Arten der japanischen Architektur dargestellt. Auch wenn wir nur “Nachstellungen” von richtigen Gebäuden anfertigen, so muss ein Bühnenschreiner alles über die Bauart, die Architektur, die Komposition und auch über die Technologie der dargestellten Gebäude wissen. Vor allem der Architektur-Stil des historischen Japans – der sogenannte Sukiya-Stil –  war etwas, das ich von Grund auf erlernen musste. Das hat mich sehr beeindruckt und inspiriert. Japanische Teehäuser werden zum Beispiel im Sukiya-Stil gefertigt. Ihre anspruchsvolle Konstruktion, die Technik, die Raumgestaltung und die räumliche Einteilung haben einen großen Einfluss auf die Philosophie der späteren Moderne wie zum Beispiel die Bauhaus-Architektur. Diese Komposition ist so inspirierend und ich bin dankbar, dass ich durch meine Arbeit soviel darüber lernen durfte. Geometrie, Komposition und Dimension. All das habe ich im Theater gelernt und wende es heute auch in meinen Fotos an.

Kannst du uns etwas über deinen Arbeitsprozess erzählen? Wie wählst du deine Objekte aus und wie realisierst du Planung und Nachbearbeitung?

Normalerweise plane ich so 5-6 Shootings, basierend auf Geschichten aus meinem Alltag. Dabei sind meiner Fantasie und meinen Ideen keine Grenzen gesetzt. Manchmal kombiniere ich verschiedene Ideen und Pläne und mache sie zu einem gemeinsamen Projekt. Im Grunde geht es mir primär um die Anerkennung von Menschen. All meine Prozesse verlaufen ähnlich wie die Regie eines Drama auf der Theaterbühne: von der Idee, über die Planung bis hin zur Fertigstellung. Die Suche nach dem Drehort ist wie die Vorbereitung eines Bühnenbildes. Die Suche nach einem Model ist wie das Casten der Darsteller.Japanischer Fotograf - Interview mit Kazunori Nagashima

Normalerweise frage ich Laien oder Amateure, wenn ich nach Motiven für meine Bilder suche. Meist bin ich überrascht und zugleich erfreut, wie einfach die Kommunikation mit diesen Unbekannten verläuft. Manchmal ist es wie Telepathie und man hat nach kurzer Zeit das Gefühl, als würde man sich schon ewig kennen.

Menschen sind ein zentrales Element deiner Fotografie. Wie gehst du auf diese zu und was suchst du in deinen Modellen?

Ja ich ziehe es vor, Menschen zu fotografieren, denn die Beziehung zwischen Objekt und Hintergrund ist für meine Bilder von zentraler Bedeutung. Ein wichtiges Konzept ist dabei: “Unterschiede zu anderen festigen die eigene Identität”. Täglich erforsche ich Unterschiede und Kontraste von Menschen und Dingen. Wenn zwei oder mehrere Elemente im Kontrast zueinander stehen, zieht mich das an. Von den Menschen vor meiner Linse erwarte ich, dass sie so natürlich wie möglich agieren. Sie sollen sich möglichst ungestört verhalten und gestikulieren, statt zu posieren. In vielen Fällen caste ich Models wie in einem Film. Ich erzähle ihnen vorher vom Konzept und der Geschichte und lasse sie dann entscheiden, ob sie mitmachen wollen.Soliloquy - Japanischer Fotograf

Du hast viele renommierte Fotoserien gemacht. Auf welche bist du besonders stolz und was hat dich zu ihr inspiriert?

Ich denke, dass “Soliloquy” für mich von besonderer Bedeutung ist. Ich wollte keine typische Porträtfotografie, diese Fotoserie sollte eher wie ein Film sein. Bei Soliloquy habe ich eine andere Kameraperspektive genutzt und die dadurch entstandene “Instabile Komposition” sollte die Phantasie des Betrachters anregen. Die Komposition, die Tiefe und die Linien habe ich dem Blick und den Bewegungen des Models angepasst. Das Model hat sich schon Monate im Voraus mit den Details meiner Geschichte vertraut gemacht. Sie war sehr intelligent und verfügte über grundlegende Kenntnisse der Fotografie, weil sie bereits zuvor als Assistentin in der Branche arbeitete. Die Soliloquy-Serie wurde glücklicherweise 2018 in der Sony Imaging Gallery in Ginza, Tokyo ausgestellt und auf den International Photography Awards ausgezeichnet. Dafür bin ich sehr dankbar – auch dem Model gegenüber.

Gibt es Künstler – egal aus welchem Genre -, die dich und deine Arbeit inspirieren?

Der Gartenkünstler Mirei Shigemori, der Architekt Kenzo Tange, der Fotokünstler Yasuhiro Ishimoto, natürlich Gerhard Richter, Wim Wenders und Regisseur, Schauspieler und Unterhaltungskünstler Takeshi Kitano.Japanischer Fotograf - Interview

Du bist um die ganze Welt gereist, hast verschiedene Orte und Regionen fotografiert und deine Werke international ausgestellt. Welches ist dein Lieblingsort zum Fotografieren?

Die Stadt Kyoto in meinem Heimatland Japan. Kyoto ist das Labyrinth, das einen Ausweg aus der Realität bietet. Für mich ist diese Stadt wie Disneyland, wo Euphorie und Ekstase warten. Es ist ein Ort, der Japans Gegensätze zwischen Moderne und Tradition verkörpert und die Anziehung dieser Stadt ist absolut zeitlos.

Hast du irgendwelche bevorstehenden Projekte oder Ausstellungen, auf die du uns aufmerksam machen möchtest?

Ich möchte sowohl Fotos, als auch einen Kurzfilm drehen. Zur gleichen Zeit, zum gleichen Thema aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommen. Ich hoffe natürlich, dass es möglich sein wird, das am Ende auch irgendwann auszustellen.

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Kazunori Nagashima
Webseite: www.kazunorinagashima.com
Instagram:@kazunori_nagashima
Latest project: Reverberations 
Buch: Reverberations, photographed by Kazunori Nagashima, 2019

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